am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Zeitzeugen Heinz Hesdörffer

17.12.2018

14. Dezember 2018

Am 14. Dezember 2018 wurde dem Zeitzeugen Heinz Hesdörffer vor etwa 150 Gästen in Anerkennung seiner um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für das Wirken als Zeitzeuge des Holocaust verliehen. Die Auszeichnung fand in der Henry und Emma Budge-Stiftung in Frankfurt am Main statt. An der Feier nahm auch Jeanne Flaum (AHL) teil.

Heinz Hesdörffer wurde 1923 in Bad Kreuznach geboren und war während des Zweiten Weltkrieges in verschiedenen Konzentrationslagern gefangen. Über Westerbork und Theresienstadt wurde er am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Kurz vor der Befreiung kam Hesdöffer in das KZ Sachenhausen und überlebte einen Todesmarsch. Im Winter 1945/46 hat er seine Erinnerungen in Brüssel als Andenken an seine Mutter und seinen Bruder, die im Holocaust ermordet wurden, niedergeschrieben. 50 Jahre dauerte es, bis Hesdörffer das Manuskript erneut abtippte und 1998 veröffentlichte. Sein Erinnerungsband, in dem er die unterschiedlichen Stationen seiner Verfolgung darstellt, ist 2013 unter dem Titel "Bekannte traf man viele ... Aufzeichnungen eines deutschen Juden aus dem Winter 1945/46" in der dritten Auflage im Chronos Verlag Zürich erschienen.

Nach Ende des Krieges emigrierte Hesdörffer nach Südafrika. Dort heiratete er die deutsche Jüdin Lotte Mayer und wurde Vater eines Sohnes. Da dieser Medizin in den USA studierte, zog das Ehepaar 2002 nach New York. Nach Einladungen aus Deutschland, als Zeitzeuge aufzutreten, kehrte Hesdörffer schließlich nach Deutschland zurück. Er gründete den Verein „Bildungswerk Heinz Hesdöffer“ und machte es zu seinem Anliegen, Jugendliche in ihrer Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu unterstützen. 2015 haben Schülerinnen und Schüler aus Bad Kreuznach einen Film "Schritte ins Ungewisse" über seine Lebensgeschichte gedreht. Bereits im Juni 2016 war Heinz Hesdörffer auch zu Besuch an der AHL im Seminar "Schlüsseltexte der Holocaustliteratur" von Prof. Dr. Sascha Feuchert. In dem Seminar haben sich die Studierende der Germanistik mit den Erinnerungen von Heinz Hesdörffer beschäftigt.

Der Geschäftsführer der Henry und Emma Budge-Stiftung, Thorsten Krick, sprach in seiner Begrüßungsrede von der Besonderheit dieser Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Normalerweise finde diese im Römer der Stadt Frankfurt statt, auf Wunsch von Herrn Hesdörffer habe man dieses Mal jedoch eine Ausnahme gemacht und die Verleihung direkt in der Stiftung stattfinden lassen. Im Anschluss sprach der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Peter Feldmann, über die bedeutende Aufgabe und das Wirken von Heinz Hesdörffer. Es sei fast eine Selbstverständlichkeit, dass Herrn Hesdörffer dieses Verdienstkreuz verliehen werde.  Als Überlebender des Holocaust berichte er von seinen Erfahrungen und habe es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendlichen vom Holocaust zu erzählen. Heutzutage, so Feldmann, gäbe es eine zunehmende Distanz seitens der Jugendlichen gegenüber der Geschichte des Holocaust. Doch in dem Moment, wenn Zeitzeugen von ihren Erlebnissen berichteten, "gehen Augen auf, werden Ohren wach und die Herzen öffnen sich". Dies sei der Grund, warum die Gespräche über das, was geschehen ist, von so großer Bedeutung seien: "Geschichte ist nicht erledigt." Hesdörffer habe Denunziation, Spaltung und Entfremdung auch im Kleinen erlebt. Diese Entwicklung schildert er auch ausführlich in seinem Buch.


Nach der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes durch Oberbürgermeister Feldmann an Heinz Hesdörffer, sprach dieser selbst noch einmal über seine Erinnerungen: "Ich bringe junge Menschen zum Nachdenken. Sie wollen es wissen – sie sollen es wissen – sie müssen es wissen." Hesdörffer betonte die Notwendigkeit, gerade in Zeiten zunehmender rechter Tendenzen, aus der Vergangenheit zu lernen. "Wir alle sind aufgefordert, Unrecht zu benennen und gegen Unrecht vorzugehen. Die Welt braucht Frieden und der fängt vor unserer Tür an", so schloss Hesdörffer seine Rede. Die Veranstaltung wurde mit einer musikalischen Begleitung beendet. Anschließend waren die Gäste zu einem kleinen Umtrunk eingeladen.





 


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