am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Exkursion in die Gedenkstätte Auschwitz und nach Krakau vom 17. bis 24. Februar 2020

Studierende der JLU wurden auf Exkursion der AHL in die Gedenkstätte Auschwitz und nach Krakau zu Gedenkstättenteamern ausgebildet 

Vom 17. - 24. Februar 2020 waren 17 Studierende (größtenteils Lehramtsstudierende) der Justus-Liebig-Universität Gießen auf einer Exkursion in die Gedenkstätte Auschwitz und nach Krakau. Ziel der Fahrt war es, die Teilnehmer zu Gedenkstättenteamern auszubilden. Begleitet wurden sie von Prof. Dr. Sascha Feuchert, Dr. Markus Roth und Jeanne Flaum von der Arbeitstelle. 

Die Studierenden erhielten eine Einführung in die pädagogische Arbeit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) bevor es im Anschluss eine Stadtführung durch den Ort Oswiecim gab, der heute etwa 40.000 Einwohner hat. Auch eine vierstündige Führung durch die heutige Gedenkstätte Auschwitz I (Stammlager) stand auf dem Programm, ebenso wie ein Workshop der IJBS zum Thema "Argument Biographie. Menschliche Werte in einer unmenschlichen Welt" teil, in dem es um die Erzählung der Überlebenden Zofia Posmysz ging.

Die Studierenden erhielten eine weitere Führung durch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Von 1941 bis Januar 1945 wurden hier bis zu 1,1 Millionen Menschen ermordet. Nur drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I war es das größte Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Die Teilnehmer konnten die Bibliothek der Internationalen Jugenbegegnungsstätte (IJBS) nutzen und erhielten hier Einblicke in das Archivmaterial der Gedenkstätte. Hierbei ging es sowohl um die Opferperspektive – in Form von Berichten – als auch um Täterdokumente – unter anderem Kommandanturbefehle oder Tagebuchaufzeichnungen eines SS-Arztes.

Zudem hatten die Studierenden die Möglichkeit, ein Zeitzeuginnengespräch mit der Überlebenden Anna Szałaśna zu begleiten. Sie wurde am 31. Oktober 1926 in Chryplin (heutige Ukraine) geboren. Sie besuchte die Musikschule in Stanislawów und später zog die Familie nach Lemberg, anschließend nach Posen und dann nach Thorn, wo sie den Kriegsausbruch erlebte. Auf einer Zugfahrt in Richtung Warschau wurde die Familie bombardiert und Anna Szałaśna schwer am Bein verwundet. Nach langer Behandlung mussten die Ärzte ihr Bein schließlich amputieren. "Doch das hat mein Leben gerettet", so betonte sie im Gespräch. Wenig später, nachdem ihr Vater wegen Kollaboration verhaftet worden war, kam auch Anna Szałaśna wegen kritischer Äußerungen gegenüber der deutschen Besatzung ins Gefängnis in Tarnów. 1943 wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigung kam sie mit viel Glück und Hilfe einer Pflegerin in den Häftlingskrankenbau und erhielt eine "Schonungskarte", die sie vor den Appellen und der Arbeit befreite. Im August 1944 meldete sich Anna Szałaśna freiwillig für die Fahrt nach Ravensbrück, wo sie in den Siemens-Werken bis zur Befreiung arbeitete. Im April 1945 gelangte sie mit dem Roten Kreuz nach Schweden. 1946 kehrte sie schließlich nach Polen zurück und studierte Musikwissenschaft. Bis heute lebt sie in Warschau und erzählt regelmäßig ihre bewegende Lebensgeschichte. Auch die Studierenden der JLU waren tief berührt und bewegt, so dass das dreistündige Gespräch mit der inzwischen 93-Jährigen wie im Flug verging.

Die beiden letzten Tage der Exkursion verbrachten die Studierenden in der Stadt Krakau. Hier erhielten sie durch Markus Roth (AHL) eine Führung, in der es vor allem um die Zeit Krakaus unter deutscher Besatzung ging. Neben dem jüdischen Viertel, dem Stadtteil Kazimierz, besuchten die Studierenden das ehemalige Gettogebiet der Stadt, das südlich der Weichsel gelegen ist. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurden Juden systematisch aus der Stadt vertrieben. Im Frühjahr 1941 wurde schließlich das Gettogebiet im Stadtteil Podgorze errichtet. Bis 1943 lebten dort bis zu 20.000 Juden. Im März 1943 wurde das Getto schließlich liquidiert.  Von den 65.000 Juden, die vor dem Krieg in Krakau lebten, überlebten etwa 4.000 Menschen.
 
 
 

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