am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Edition der Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt


Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur hat in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Sprachgeschichte (Prof. Dr. Jörg Riecke †) und dem Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte die Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt ediert.

1943/44 schrieben Mitarbeiter des Archivs um Oskar Singer und Oskar Rosenfeld neben ihrer Arbeit an der Getto-Chronik an einer Enzyklopädie des Gettos. Sie wollten der Nachwelt das Leben im Getto verständlicher machen, indem sie ein Lexikon zusammenstellten, das die zentralen Begriffe der Getto-Sprache erklärt, Institutionen der Verwaltung, wichtige Persönlichkeiten und Ereignisse erläutert. So haben sie ein einmaliges, aber unvollendetes Zeugnis geschaffen, das im Editionsprojekt sprach-, literatur- und geschichtswissenschaftlich kontextualisiert wird. Das Projekt wurde bis April 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Mit dem im Oktober 2020 im Wallstein-Verlag erschienenen Band liegt die Edition der Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt erstmals auf Deutsch vor. Ihr gingen die polnische und – in Übersetzung aus dem Polnischen – die englische Ausgabe voraus. Zugrunde gelegt wurde der Bestand im Archiv des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau (AŻIH, 205/349-350). Lücken in diesem Konvolut wurden um Texte aus vier weiteren Archiven (Staatsarchiv Łódź; Ghetto Fighters’ House, Lochamej HaGeta’ot; Yad Vashem Archive, Jerusalem; YIVO Institute of Jewish Research, New York) ergänzt.

Die Vorlagen bestehen aus einzelnen »Karten« mit Einträgen auf Deutsch, Polnisch und Jiddisch. Dem wird in der Edition Rechnung getragen, indem die Texte aller drei Sprachen im jeweiligen Original und die polnischen und jiddischen Einträge zusätzlich in deutscher Übersetzung wiedergegeben werden. Neben dem Vorspann von Oskar Rosenfeld und dem Mitarbeiter-Verzeichnis gibt es insgesamt 377 Lemmata, davon 228 in deutscher Sprache, 115 auf Polnisch und 34 auf Jiddisch. Mit eingerechnet sind dabei die vereinzelt doppelt oder – in einem Fall – dreifach vorkommenden Versionen desselben Lemmas. 

Einen detaillierten Überblick über die Bestände in den einzelnen Archiven, die Bearbeiter (wenn ersichtlich) sowie die Sprachen der einzelnen Einträge gibt das unten stehende Verzeichnis der überlieferten Textzeugen, das Ihnen als pdf zur Verfügung steht.

Projektverantwortlicher an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur:
Prof. Dr. Sascha Feuchert
E-Mail: sascha.feuchert@germanistik.uni-giessen.de

Die Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt. Hg. von Dominika Bopp, Sascha Feuchert, Andrea Löw, Jörg Riecke, Markus Roth und Elisabeth Turvold. Unter Mitarbeit von Nicole Widera und Martin Wiesche. Übersetzungen aus dem Polnischen von Dominika Bopp, Übersetzungen aus dem Jiddischen von Felix Tsapir und Sophie Lichtenstein. Göttingen: Wallstein, 2020.

Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und von der Stiftung Irène Bollag-Herzheimer sowie vom Förderverein der Arbeitsstelle Holocaustliteratur großzügig unterstützt. Weitere Informationen zur Publikation finden Sie auf den Seiten des Wallstein-Verlags hier.

 


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