am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Lesung aus “Die Elenden von Lodz“

03.10.2012

Zum Gedenken an die sogenannte "Septemberaktion", bei der im September 1942 im Getto Lodz/Litzmannstadt in einer grausamen und blutigen "Aktion" alle Kinder, Kranken und alten Menschen aus dem Getto in den sicheren Tod deportiert wurden, wird am 6. November 2012 Steve Sem-Sandberg seinen preisgekrönten Roman "Die Elenden von Lodz" (2009, deutsche Übersetzung 2011) in den Räumen des Literarischen Zentrums Gießen präsentieren.
Der Schauspieler Rainer Domke (Stadttheater Gießen) wird dabei einige Passagen aus dem Roman lesen, bevor sich Steve Sem-Sandberg in einem anschließenden Gespräch den Fragen von Moderatorin Charlotte Kitzinger (Arbeitsstelle Holocaustliteratur) stellt.
In seinem Roman über das Getto von Lodz/Litzmannstadt vermischt Sem-Sandberg belegbare Fakten mit fiktiven Details, Handlungen und Figuren. Er beschreibt auf 650 Seiten das Leben im Getto Lodz/Litzmannstadt und porträtiert das Leben zahlreicher Bewohner. Im Zentrum steht die bis heute umstrittene Figur des Judenältesten des Gettos, Mordechai Chaim Rumkowski. Rumkowskis Ziel war es, aus dem Getto eine effiziente Arbeiterstadt für die Kriegswirtschaft zu machen, um so das Überleben des Gettos zu sichern. Dafür war er bereit, große Opfer zu bringen. Hauptquelle des Romans ist die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt, die an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur erstmals vollständig ediert wurde und 2007 im Wallstein Verlag erschienen ist. Sie entstand im Getto täglich zwischen Januar 1941 und Ende Juli 1944 durch die jüdische Selbstverwaltung des Gettos unter der Leitung Rumkowskis. Sie ist eine Kombination aus täglichem Tagebuch, Statistik, Kommentar und Feuilleton, die unter anderem Daten zu Bevölkerungszahlen, Krankheiten, Todesursachen, Lebensmittellieferungen, Deportationen, das Wetter etc. auflistet.
Steve Sem-Sandberg (1958) gilt als einer der renommiertesten schwedischen Gegenwartsautoren. Seine Bücher, darunter mehrere Romane über historische Figuren, wurden vielfach ausgezeichnet. Für den Roman "Die Elenden von Lodz", der in 27 Ländern erschienen ist, erhielt er 2009 den schwedischen Literaturpreis "Augustpriset", der vergleichbar mit dem Deutschen Buchpreis ist. Auch in den nationalen und internationalen Medien wurde der Roman viel beachtet und hoch gelobt.


Drucken

TOP
Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto-Behaghel-Str. 10 B / 1 · D-35394 Gießen · Deutschland
arbeitsstelle.holocaustliteratur@web.de
News