am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Internationaler Roma-Tag

07.04.2021

8. April 2021

Auch in diesem Jahr möchten wir am 8. April auf den internationalen Roma-Tag aufmerksam machen, der auf den ersten internationalen Roma-Kongress im Jahr 1971 zurückgeht. An diesem Tag trafen sich erstmals 23 Repräsentanten der Minderheit aus 14 Ländern Europas in Orpington bei London und gründeten den Welt-Roma-Kongress, der sich den Kampf um soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zum Ziel setzte.

Seitdem gilt dieser Tag als Aktionstag, an dem zum einen auf die Diskriminierung und Ausgrenzung der Minderheit aufmerksam gemacht werden soll, zum anderen aber auch die Kultur der Roma und ihre Besonderheiten gefeiert werden.

Sinti und Roma zählen zur größten ethnischen Minderheit in Europa. Ihre über 600 Jahre alte Geschichte ist oft von Ausgrenzung und Diskriminierungserfahrungen geprägt. Den grausamen Höhepunkt ihrer Verfolgung erlebten Sinti und Roma im Völkermord durch die Nationalsozialisten. Bis zu 500.000 Menschen wurden allein im Zeitraum von 1933-1945 Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Doch auch nach 1945 bleib eine Anerkennung des Völkermordes sowie eine Anerkennung als Opfer des Genozids lange Zeit aus. Die Ausgrenzung und Diskriminierung sowie die Kriminalisierung der Sinti und Roma wurde nahtlos weitergeführt. 

Erst in den 1980er Jahren mit der Gründung des Zentralrats der Sinti und Roma in Deutschland, der Bürgerrechtsbewegung und der offiziellen Anerkennung des Völkermordes durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt kam es allmählich zu einem Wandel. Doch bis heute sind antiziganistische Stereotype in weiten Teilen der Gesellschaft tief verankert. Erfahrungen der Diffamierung, Diskriminierung sowie der sozialen und politischen Marginalisierung bestimmen den Alltag der Minderheit.

Erst vor etwa zwei Monaten wurde in der WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ über den Begriff der „Zigeuner-Sauce“ debattiert. Angehörige der Minderheit wurden in die Talkshow nicht eingeladen, rassistischen Stereotypen bediente man sich in vollem Umfang. Zurecht spricht der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hier von dem tief verwurzelten Antiziganismus in unserer Gesellschaft, der sichtbar wird. 

Umso wichtiger ist es daher – und das zeigen auch solche Debatten – auf Formen des Antiziganismus aufmerksam zu machen und mehr Wissen über die Minderheit zu vermitteln, um Stereotype und Vorurteile kritisch zu hinterfragen und abzubauen.

Der internationale Roma-Tag spielt daher eine bedeutende Rolle bei der Bekämpfung des Antiziganismus und auch für eine verstärkte Aufklärung über die ethnische Minderheit, die ein Teil unserer Gesellschaft ist.

Ein WDR-Interview zum 8. April mit Romani Rose, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Sinti und Roma, finden Sie hier.


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