am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Großer Artikel zu Janina Hescheles „Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens. Ghetto – Lager – Versteck“ auf Spiegel Online

17.04.2019

16. April 2019

Im April ist mit Janina Hescheles‘ Bericht der 7. Band der gemeinsamen Schriftenreihe der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich „Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur" im Metropol Verlag erschienen. Seit gestern berichtet Spiegel Online ausführlich über „die polnische Anne Frank“, ihr Zeugnis und ihr heutiges Leben.

Als zwölfjähriges Mädchen schrieb Janina Hescheles innerhalb weniger Tage den Bericht im Versteck nieder. Sie erzählt von den Anfängen der deutschen Besatzung in Lemberg, vom Verlust ihrer Eltern, vom Getto und dem Massenmord im berüchtigten, aber heute weithin vergessenen Zwangsarbeitslager Lemberg-Janowska. Dort verfasste sie bereits Gedichte über den Lageralltag, die in geheimen Veranstaltungen im Lager selbst vorgetragen wurden. So auf sie aufmerksam geworden, veranlassten Widerständler mit Kontakten zum polnischen Untergrund ihre Befreiung aus dem Lager, die im August 1943 gelang. Bis zu ihrer Befreiung lebte sie in verschiedenen Verstecken.

Michał Borwicz (selbst Häftling im Lager Janowska und maßgeblicher Initiator von Janinas Befreiung) publizierte als Mitglied der Jüdischen Historischen Kommission in Krakau schon 1946 Hescheles‘ Bericht in gekürzter und bearbeiteter Form im polnischen Original. Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre erschien in der bekannten Anthologie "Im Feuer vergangen" zunächst in der DDR, dann auch in der Bundesrepublik eine gekürzte deutsche Übersetzung. Erst jetzt ist das bedeutende Zeugnis erstmals vollständig auf Deutsch erschienen. Übersetzt wurde es aus dem Polnischen von Christina-Marie Hauptmeier, herausgegeben von Markus Roth.

Unter dem Titel „Ich fühlte, wie etwas in mir rief: Lebe! Lebe!" veröffentlicht Spiegel Online nun einen ausführlichen Artikel zu der neuen Publikation. Janina Hescheles lebt heute im Alter von 88 Jahren in Israel. Ihre Geschichte beginne, wo Anne Franks Tagebuch ende, so die Journalistin Katja Iken. Der Bericht sei „ein Protokoll des Grauens“, das aus der Perspektive eines Kindes geschrieben wurde.

Weitere Informationen zum Artikel sowie zum 7. Band der Schriftenreihe finden Sie hier.


Drucken

TOP
Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto-Behaghel-Str. 10 B / 1 · D-35394 Gießen · Deutschland
arbeitsstelle.holocaustliteratur@germanistik.uni-giessen.de