am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

′Fragt uns, wir sind die Letzten!′ - Gespräch und Lesung mit Horst Selbiger

21.01.2019

29. Januar 2019

Horst Selbiger, geboren 1928, hat schon als kleines Kind erleben müssen, was Judenhass bedeutet: In der Schule wurde er beschimpft und ausgegrenzt; sein Vater wurde mit Berufsverbot belegt, die Familie in die Armut getrieben. Er war gerade 15 Jahre alt geworden und als Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion beschäftigt, als er bei der sogenannten "Fabrikaktion" 1943 in Berlin verhaftet wurde. Zunächst wurde er in die ehemalige Synagoge Levetzowstraße verschleppt, dieseit dem Beginn der Deportationen 1941 immer wieder als Sammellager für Jüdinnen und Juden missbraucht wurde. Hier musste er die so genannte Vermögenserklärung ausfüllen und erhielt die Nummer für den Transport nach Auschwitz: Seine Deportation schien unmittelbar bevorzustehen. Doch es kam anders: Als Kind aus einer "gemischtrassigen" Ehe wurde er aus der Levetzkowstraße in das Gebäude der ehemaligen Behörde für Wohlfahrtswesen und Jugendfürsorge der Jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße 2-4 in Berlin-Mitte verbracht. Hier wurden die jüdischen Männer und Frauen von nichtjüdischen Eheleuten zusammenpfercht und überprüft, ebenso deren Kinder. Vor dem Haus versammelten sich die "arischen" Angehörigen der Inhaftierten, unter ihnen Horst Selbigers Mutter mit ihren Eltern: Sie verlangten die Entlassung ihrer Verwandten, die tatsächlich freikamen – so auch Horst Selbiger und sein Vater.

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar erzählt Horst Selbiger am 29. Januar in der Stadtbibliothel Bad VIlbel aus seinem Leben und liest aus seinen Erinnerungen, die im März 2018 unter dem Titel "Verfemt. Verfolgt. Verraten. Abriss meines Lebens" im Spurbuchverlag erschienen sind. Es moderiert Bettina Leder, die als Kuratorin der Ausstellung "Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945" zur Lebensgeschichte der Familie Selbiger geforscht hat. 

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 29. Januar 2019, um 20 Uhr, in der Stadtbibliothek Bad Vilbel am Niddaplatz statt. Veranstalter ist die Lagergemeinschaft Auschwitz - Freundeskreis der Auschwitzer und die Stadt Bad Vilbel. Der Eintritt ist frei. 


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