am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Eine Führung durch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und ein Zeitzeuginnengespräch mit Anna Szałaśna standen am Mittwoch und Donnerstag auf dem Exkursions-Programm der Gießener Studierenden

21.02.2020

17. bis 24. Februar 2020

Auf dem Programm der Studierenden, die sich vom 17. bis 24. Februar mit der AHL auf einer Exkursion in die Gedenkstätte Auschwitz und nach Krakau befinden, stand am Mittwoch, den 19. Februar, eine Führung durch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Von 1941 bis Januar 1945 wurden hier bis zu 1,1 Millionen Menschen ermordet. Nur drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I war es das größte Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Am Nachmittag konnten die Teilnehmer die Bibliothek der Internationalen Jugenbegegnungsstätte (IJBS) nutzen und erhielten hier Einblicke in das Archivmaterial der Gedenkstätte. Hierbei ging es sowohl um die Opferperspektive – in Form von Berichten – als auch um Täterdokumente – unter anderem Kommandanturbefehle oder Tagebuchaufzeichnungen eines SS-Arztes.

Am Donnerstag, den 20. Februar, hatten die Studierenden die Möglichkeit, ein Zeitzeuginnengespräch mit der Überlebenden Anna Szałaśna zu begleiten. Sie wurde am 31. Oktober 1926 in Chryplin (heutige Ukraine) geboren. Sie besuchte die Musikschule in Stanislawów und später zog die Familie nach Lemberg, anschließend nach Posen und dann nach Thorn, wo sie den Kriegsausbruch erlebte. Auf einer Zugfahrt in Richtung Warschau wurde die Familie bombardiert und Anna Szałaśna schwer am Bein verwundet. Nach langer Behandlung mussten die Ärzte ihr Bein schließlich amputieren. "Doch das hat mein Leben gerettet", so betonte sie im Gespräch. Wenig später, nachdem ihr Vater wegen Kollaboration verhaftet worden war, kam auch Anna Szałaśna wegen kritischer Äußerungen gegenüber der deutschen Besatzung ins Gefängnis in Tarnów.
1943 wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigung kam sie mit viel Glück und Hilfe einer Pflegerin in den Häftlingskrankenbau und erhielt eine "Schonungskarte", die sie vor den Appellen und der Arbeit befreite. Im August 1944 meldete sich Anna Szałaśna freiwillig für die Fahrt nach Ravensbrück, wo sie in den Siemens-Werken bis zur Befreiung arbeitete. Im April 1945 gelangte sie mit dem Roten Kreuz nach Schweden. 1946 kehrte sie schließlich nach Polen zurück und studierte Musikwissenschaft.

Bis heute lebt sie in Warschau und erzählt regelmäßig ihre bewegende Lebensgeschichte. Auch die Studierenden der JLU waren tief berührt und bewegt, so dass das dreistündige Gespräch mit der inzwischen 93-Jährigen wie im Flug verging.

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