am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur trauert um Dr. Werner Cohen

Mit großer Trauer haben wir die Nachricht erhalten, dass unser Freund und Projektpartner Dr. Werner V. Cohen am 11. Juni 2021 im Alter von 99 Jahren verstorben ist.

Werner Cohen wurde am 8. Dezember 1921 in Essen geboren. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 wurde er verhaftet und war mehrere Wochen im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Mit einem der sogenannten Kindertransporte konnte er nach seiner Entlassung aus Deutschland über die Niederlande nach London entkommen. Seine Schwester gelangte über Nottingham ebenso nach London. Die Eltern wurden 1942 nach Polen deportiert und schließlich in Belzec ermordet. Werner Cohen lebte bis zum Kriegsende in Großbritannien und ging dann in die USA, wo er in Baltimore seine Frau Hilda Stern Cohen traf, mit der er drei Töchter bekam. Hilda Stern Cohen hatte das Getto Lodz/Litzmannstadt und das Vernichtungslager Auschwitz überlebt. Nach ihrem Tod fand Werner sieben Schulhefte, in denen sie Gedichte und Prosatexte notiert hatte, die hauptsächlich im Getto Lodz/Litzmannstadt und nach der Befreiung in Österreich im Lager für „Displaced Persons“ entstanden waren. Diese Werke wurden 2003 in Zusammenarbeit mit Werner Cohen und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur unter dem Titel „Genagelt ist meine Zunge“ publiziert. 2005 ist außerdem eine Audio-CD der von Lilli Schwethelm und Georg Crostewitz vertonten Gedichte und Texte erschienen. Das Buch sowie die CD sind weiterhin über die Arbeitsstelle Holocaustliteratur unter arbeitsstelle.holocaustliteratur@germanistik.uni-giessen.de erhältlich.

Wir sind über den Tod von Werner Cohen sehr traurig. Wir werden ihn immer in sehr guter Erinnerung behalten und sein Andenken bewahren. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie.


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