am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Agnes Grunwald-Spier war zu Besuch an der AHL

27.05.2019

21.-24. Mai 2019

Vom 21. bis zum 24. Mai 2019 war Agnes Grunwald-Spier zu Gast an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur. 1944 in Budapest geboren, entkam sie gemeinsam mit ihrer Mutter Leona Grunwald nur knapp der Deportation aus dem Getto. Ihre Lebens- und Familiengeschichte sowie ihr neues Buch „Women’s Experiences in the Holocaust“ (2018) standen im Mittelpunkt der Gespräche, die sie mit Schülerinnen und Schülern am Johanneum Gymnasium in Herborn und der Gesamtschule Gießen-Ost sowie mit Studierenden der Justus-Liebig-Universität Gießen führte.

Das Trauma des Holocaust war in ihrer Familie immer präsent, auch wenn nicht darüber gesprochen wurde. Erst nach der Geburt ihrer drei Söhne fing sie an, ihre eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten, um ihren Kindern Antworten auf die Fragen nach ihren Großeltern und ihrer Herkunft geben zu können. In ihrem Vortrag zeigte Agnes Grunwald-Spier daher neben alten Familienfotos auch Fotos ihrer Kinder und Enkelkinder, um zu betonen, dass ohne ihr Überleben der Großteil der abgebildeten Personen heute nicht auf der Welt wäre. „People know about the six million Jews, who were murdered by the Nazis, but it’s also about the generation who was to come, that people often don’t consider“, so Grunwald-Spier. Dass es ihrer Mutter gelang, sich selbst und ihr Baby zu retten, stellte für Agnes Grunwald-Spier eines der Motive dar, sich mit dem Schicksal der Frauen im Holocaust auseinanderzusetzen. Ein Thema, das ihr zufolge auch heute noch zu wenig Beachtung gefunden hat. „Women had a different sort of a dreadful time“, daher schildere sie in ihrem neuen Buch die Lebensgeschichten von Frauen, die die Rollen ihrer Männer einnahmen, in katastrophalen Verhältnissen hart arbeiteten, um ihre Familien am Leben zu erhalten, die ihre Kinder weggeben mussten, damit diese überleben konnten, oder die auf der Seite der Partisanen für ihre Freiheit kämpften. Das Buch ist ein Mosaik tapferer und starker Frauen, aber auch junger Mädchen, denen sie mittels zitierter Briefe, Tagebucheinträgen und Auszügen aus Memoiren eine Stimme verleiht.

In ihrem Schlusswort mahnte Agnes Grunwald-Spier die Zuhörerinnen und Zuhörer, dass es angesichts der schwierigen und unruhigen Zeiten, in denen wir vermehrt mit rassistischen, antisemitischen und homophoben Äußerungen und Ansichten konfrontiert würden, keine Option sei , nichts zu tun, denn – so zitierte sie den Theologen Dietrich Bonhoeffer – „silence in the face of evil is evil. Not to speak is to speak. Not to act is to act.”

Ganz herzlich möchten wir uns bei der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich sowie bei der Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.  bedanken, die den Besuch von Agnes Grunwald-Spier in Gießen finanziell unterstützt und die Besuche in den Schulen und in der Universität auf diese Weise mit ermöglicht haben.


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Arbeitsstelle Holocaustliteratur
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