Am 17. April 2026 fand im Literaturhaus Frankfurt die Auftaktveranstaltung des erstmals vergebenen Silvia-Tennenbaum-Stipendiums der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung statt. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Medien und Kultur kamen zusammen, um über aktuelle Herausforderungen im Umgang mit Antisemitismus und Fragen der Erinnerungskultur zu diskutieren. Auf Einladung der Stiftung nahmen auch Prof. Sascha Feuchert, Dr. Anika Binsch und Jennifer Ehrhardt von der AHL an der Veranstaltung im Lesekabinett teil.
Die Hertie-Stiftung engagiert sich mit vielfältigen Projekten u.a. gegen die weltweite Zunahme antisemitischer Einstellungen und Handlungen, setzt sich für jüdisches Leben in Deutschland ein und stärkt die Erinnerungskultur. Mit dem nach der jüdischen Schriftstellerin und gebürtigen Frankfurterin Silvia Tennenbaum benannten Stipendium fördert sie gezielt Vorhaben an der Schnittstelle von Kunst, Erinnerung und gesellschaftlicher Verantwortung. Ziel ist es, die Bedeutung kultureller Arbeit für die demokratische Resilienz weiter zu stärken. Zu den ersten Geförderten gehören die Schriftstellerin Dr. Dana von Suffrin und der Kultursoziologe Dr. Arndt Emmerich. Während von Suffrin an einem Drehbuch über den Holocaust-Überlebenden Philipp Auerbach arbeitet, widmet sich Emmerich in einem Sachbuchprojekt dem gegenwärtigen jüdischen Leben, insbesondere im Kontext urbaner jüdisch-muslimischer Beziehungen.
Nach der Begrüßung durch Prof. Sascha Spoun (Präsident der Leuphana Universität Lüneburg) eröffnete Prof. Sascha Feuchert die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag zum Thema „Zukunftsfähiges Erinnern: Was hat der Holocaust mit uns heute noch zu tun? Und wie sollten Schulen und Hochschulen auf Herausforderungen reagieren?“. In der anschließenden, von Julia Karnahl (Hertie-Stiftung) moderierten Diskussion tauschten sich Feuchert, von Suffrin und Emmerich gemeinsam mit dem Publikum über Perspektiven einer zeitgemäßen Erinnerungskultur aus. Trotz unterschiedlicher fachlicher Zugänge bestand Einigkeit darin, insbesondere jüngere Generationen stärker anzusprechen – nicht nur über Fakten, sondern vor allem über narrative und empathische Zugänge, wie sie etwa die Literatur eröffnet. Persönliche Geschichten, so der Tenor, können dabei eine besondere Wirkung entfalten.
Zugleich wurde betont, dass Erinnerungskultur inklusiver gestaltet und um vielfältige Lebensrealitäten erweitert werden müsse. Digitale Initiativen wie das von der Hertie-Stiftung geförderte Digital Holocaust Memorial – eine partizipative Plattform zur Holocaust-Erinnerung und -Vermittlung für Schulen und Hochschulen – wurden als vielversprechende Instrumente hervorgehoben, um junge Zielgruppen zu erreichen. Ebenso unterstrichen die Diskutierenden die Bedeutung eines reflektierten Umgangs mit sozialen Medien, um Desinformationen wirksam zu begegnen. Abschließend betonte Feuchert, dass es angesichts der aktuellen Herausforderungen für die demokratische Gedenkkultur entscheidend sei, den Mut nicht zu verlieren und Versuchen der Delegitimierung entschlossen entgegenzutreten.
Wir möchten der Hertie-Stiftung an dieser Stelle herzlich für die Einladung danken!
Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie zum Digital Holocaust Memorial finden Sie hier.