Die Geschichte der eigenen Familie steht derzeit verstärkt im Fokus öffentlicher Debatten. Ausgelöst wurde dies unter anderem durch die Veröffentlichung der digitalisierten NSDAP-Mitgliedskartei, die zahlreichen Menschen erstmals einen breiteren Zugang zu entsprechenden Quellen eröffnet und dazu angeregt hat, sich mit der eigenen Familiengeschichte sowie möglichen Verstrickungen in die nationalsozialistische Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Vor diesem Hintergrund laden die Arbeitsstelle Holocaustliteratur und das Institut für Osteuropäische Geschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen am Mittwoch, den 3. Juni 2026, zu einem Workshop zum Thema „Familiengeschichte“ ein, der sich grundlegenden Fragen von Erinnerung und historischen Erzählformen widmet. Die Veranstaltung richtet sich an Studierende sowie an alle Interessierten und findet von 9 bis 13 Uhr im Raum 209, Haus E, im Philosophikum I der JLU (Otto-Behaghel-Straße 10, 35394 Gießen) statt.
Im Zentrum stehen vor allem methodische und erzählerische Perspektiven: Wie nähert man sich belasteten Familiengeschichten? Wie arbeitet man mit Fragmenten, Schweigen und Ambivalenzen? Was kann ein einzelnes Dokument überhaupt erzählen – und wo beginnen Interpretation, familiäre Narrative, Leerstellen oder Projektionen?
Geleitet wird die Veranstaltung von Indra Wussow, Kuratorin, Psychologin und Historikerin sowie Leiterin der Sylt Foundation, einer internationalen Kunst- und Kulturinitiative mit Residenzprogrammen in Deutschland und Südafrika. Ihre Arbeit bewegt sich an den Schnittstellen von Erinnerung, Trauma und Storytelling. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die deutsch-polnische Geschichte, intergenerationale Erinnerungsprozesse sowie die Rolle von Kunst in gesellschaftlichen Transformationsprozessen.
Als weitere Gesprächspartnerin nimmt die preisgekrönte ugandische Schriftstellerin, Dichterin und Journalistin Mildred Barya teil. Sie bringt Perspektiven auf historisches Trauma, Erinnerung und literarisches Schreiben aus einer außereuropäischen Perspektive ein und erweitert damit den Blick über den deutschen Kontext hinaus.