am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

„Es ist nicht so, dass man schon alles weiß“. Ein Beitrag von Stefanie Oswalt zu Yitskhok Rudashevski: „Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna“

12.04.2021

Deutschlandfunk Kultur vom 9. April 2021

Unter dem Titel „Es ist nicht so, dass man schon alles weiß“ erschien am 9. April ein Beitrag von Stefanie Oswalt in Deutschlandfunk Kultur, in dem sie mit dem Übersetzer und Herausgeber Wolf Kaiser über das Tagebuch des Jugendlichen spricht.

Als 9. Band ist das Zeugnis von Yitskhok Rudashevski „Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna. Juni 1941 – April 1943“ 2020 in der gemeinsamen Schriftenreihe der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur im Metropol Verlag erschienen.  

Rudashevski „schreibt vom Alltag im Ghetto, dem ständigen Hunger, den Gefahren der Essensbeschaffung, dem Schmuggel und den Razzien, der Kälte, weil Heizmaterial fehlt. Er berichtet vom verzweifelten Kampf um Arbeitsausweise, das Entsetzen beim Abtransport der für die Vernichtung bestimmten Menschen und er empört sich über das Auftreten der jüdischen Ghettopolizei.“

Der ehemalige stellvertretende Leiter der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz hat das ursprünglich auf Jiddisch verfasste Tagebuch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen sowie einer Einführung versehen. Im Gespräch mit Stefanie Oswalt betont er, dass es ihm nicht darum ginge, „immer wieder dasselbe zu veröffentlichen, sondern zu zeigen, wie unterschiedliche die Erfahrungen der Opfer nationalsozialistischer Verfolgung seien“.

„Das was Yitskhok Rudashevski beschreibt, ist eben keineswegs dasselbe, was Anne Frank beschreibt. Und das eine lässt sich nicht durch das andere ersetzen“, so Wolf Kaiser. Es sei daher auch nicht so, „dass man schon alles weiß, was wichtig ist, wenn man weiß, dass sechs Millionen Juden ermordet worden sind. Man muss es genauer, wissen, denke ich. Und man kann es aus solchen Quellen auf eine Weise erfahren, die einem im Gedächtnis bleibt.“ Dies sei der Beitrag und die Bedeutung dieser „einzigartigen Dokumente“.

Zum vollständigen Artikel in Deutschlandfunk Kultur gelangen Sie hier.

Yitskhok Rudashevski: "Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna. Juni 1941 – April 1943"
Berlin: Metropol Verlag, 2020. 
Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur, Band 9
150 Seiten. Print 16,00 Euro, E-Book/PDF 13,00 Euro
ISBN: 

 


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