am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Auftakt zur ′Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur′: Neuausgabe von Bogdan Wojdowskis Roman ′Brot für die Toten′ im Wallstein Verlag erschienen

25.05.2021

26. Mai 2021

Als erster Band in der "Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur", die von Sascha Feuchert, Lothar Quinkenstein und Ewa Czerwiakowski im Wallstein Verlag herausgegeben wird, ist am 26. Mai der Roman von Bogdan Wojdowski "Brot für die Toten" erschienen. Übersetzt aus dem Polnischen wurde er von Henryk Bereska. Gefördert wurde die Edition durch den Förderverein der Arbeitsstelle Holocaustliteratur

"Wie erinnert man an eine Welt, die nicht mehr ist? Wenn die Ermordeten keine Gräber haben, wenn Wohnungen, Häuser, Straßen spurlos verschwunden sind? Wenn alles, was einmal Leben war, der Vernichtung anheimgefallen ist?"
Bogdan Wojdowskis Roman "Brot für die Toten", der 1971 in Polen erschien und 1974 im Verlag Volk und Welt erstmals in exzellenter deutscher Übersetzung herausgegeben wurde, erzählt von der Hölle des Warschauer Gettos. Er schildert aus der Perspektive des zwölfjährigen Jungen David das Leiden der hier auf engstem Raum eingesperrten Menschen und ihrem verzweifelten Überlebenskampf zwischen 1940 und 1942. So erhalten Davids Familie, aber auch die Menschen auf den Straßen, ihre Stimmen, ihre Gesichter und ihre Namen zurück. Wie es nur wenige andere Werke der Holocaustliteratur vermögen, gelingt es Wojdowski in seinem verdichteten, polyphonen Roman nicht nur die Vernichtung zu dokumentieren, sondern die untergegangene jüdische Welt in ihrer Vielfalt wieder ins Leben zu rufen.
Die Neuausgabe dieses bedeutenden Werks erscheint als erster Band der auf zehn Bände angelegten "Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur".

Der Autor:
Bogdan (eigentlich Dawid) Wojdowski (1930-1994) wurde am 16. November 1930 in Warschau geboren. Ab November 1940 musste die Familie im Getto leben. Im August 1942 entkam Dawid mit seiner Schwester Irena dem Massenmord der "Aktion Reinhardt" durch Flucht. Die Eltern wurden in Treblinka ermordet. Er versteckte sich – nun als Bogdan – im "arischen" Teil Warschaus und in umliegenden Dörfern. 1949 legte er das Abitur ab und studierte polnische Philologie. Sein schriftstellerisches Debüt, der Erzählband "Wakacje Hioba" (Hiobs Ferien), wurde von der Zensur kurz vor der Drucklegung blockiert. Jahre später erst – und nach gravierenden Eingriffen – konnte das Buch 1962 erscheinen. 1971 erschien sein Opus Magnum, der Roman "Chleb rzucony umarlym" ("Brot für die Toten"), der als bedeutendstes Werk der polnischen Holocaustliteratur gilt. Am 19. April 1994 nahm sich Bogdan Wojdowski in Warschau das Leben.

Die Herausgeber:
Ewa Czerwiakowski ist freie Publizistin und Übersetzerin. Sie befasst sich vorwiegend mit Zeitgeschichte und Holocaustliteratur. Sascha Feuchert ist Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und Professor für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen.  Lothar Quinkenstein ist Übersetzer aus dem Polnischen, Schriftsteller und Hochschullehrer. 

Weitere Informationen zum Roman erhalten Sie auch auf den Seiten des Wallstein Verlags hier.

Bogdan Wojdowski: Brot für die Toten. 
Herausgegeben von Sascha Feuchert, Lothar Quinkenstein, Ewa Czerwiakowski.
Aus dem Polnischen übersetzt von Henryk Bereska
Reihe: Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur; Bd. 1
462 S., geb., Schutzumschlag
ISBN 978-3-8353-3817-3 (2021)
€ 24,00 (D) / € 24,70 (A)


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