am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Arbeitsstelle Holocaustliteratur trauert um Erwin Leibfried

05.08.2019

1. August 2019

Am 1. August 2019 ist Prof. i.R. Dr. Erwin Leibfried im Alter von 77 Jahren verstorben.

Die Gründung der AHL im Jahr 1998 geht ganz wesentlich auf die Initiative von Erwin Leibfried zurück, deren Leiter er auch bis 2008 war. Ohne sein Engagement und seine Unterstützung, ohne seine Beharrlichkeit würde die AHL, die er zusammen mit Sascha Feuchert, Jörg Riecke sowie der Ernst-Ludwig Chambrè-Stiftung zu Lich am damaligen Institut für Neuere deutsche Literatur (heute Institut für Germanistik) eingerichtet hat, nicht existieren. Er war bis zu seiner Pensionierung und weit darüber hinaus an vielen Projekten und Vorhaben der AHL maßgeblich und federführend beteiligt, so etwa an der Edition der „Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt“, die er gemeinsam mit Sascha Feuchert und Jörg Riecke 2007 nach einem Jahrzehnt gemeinsamer intensiver philologischer Arbeit herausgab, und an der Edition der Tagebücher Friedrich Kellners, die er 2011 zusammen mit Sascha Feuchert, Robert Martin Scott Kellner, Jörg Riecke und Markus Roth publizierte.

Neben der Professur für Allgemeine Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik, die er von 1973 bis 2006 bekleidete, gründete Leibfried zudem 1987, zum 100. Todestag des niederländischen Schriftstellers Multatuli, die Internationale Multatuli Gesellschaft, welche die Erinnerung an den Autor pflegt, sowie 1990 gemeinsam mit seiner Ehefrau Barbara Leibfried die Deutsche Akademie auf Mallorca. Zudem betrieb er den Verlag litblockín. Mit Dirk Grathoff begründete er bei Peter Lang die bis heute erscheinende Reihe „Gießener Arbeiten zur Neueren deutschen Literatur und Literaturwissenschaft und seit 1998 war er außerdem Herausgeber des Wissenschaftlichen Literaturanzeigers (www.wla-online.de). Seine wissenschaftliche Bibliografie ist äußerst umfangreich; er publizierte in allen wichtigen Zeitschriften der Germanistik und verfasste Standardwerke zur Fabel (Metzler), zur Hermeneutik (Narr) und zu Goethe (u.a. bei Peter Lang).

Erwin Leibfried hat für sein wissenschaftliches Wirken mehrere Auszeichnungen erhalten. 1998 wurde er mit der Medaille „Für Verdienste um Gesellschaft und Wissenschaft“ („W Sluzbie Spoleczenstwu i Nauce“) der Universität Lodz ausgezeichnet. 2006 erhielt er die Medaille „Dem Freund der Universität Lodz“ („Universitatis Lodzenis Amico“) und 2011 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Wir sind über diesen immensen Verlust unendlich traurig. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei seinen Kindern und Enkelkindern. Erwin Leibfried war unser väterlicher Freund und Förderer. Sein Rat, seine Unterstützung und seine Originalität werden uns so sehr fehlen.


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