am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Ausstellungseröffnung ′Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung′

09.12.2018

11. Dezember 2018

In den Jahren 1941/42 wurden 15.500 jüdische Menschen aus mehr als 250 hessischen Dörfern und Städten über die Sammellager Frankfurt, Kassel und Darmstadt deportiert. Sie wurden in Kaunas, Lodz, Majdanek, Minsk, Riga, Sobibor, Theresienstadt und Treblinka und an anderen Orten ermordet. Wenig bekannt ist in Deutschland bisher noch der Vernichtungsort Malyj Trostenez bei Minsk. Das Ghetto Minsk war das Ziel des Frankfurter Deportationszuges vom November 1941 mit über 1000 Juden. Einem Gedenkbuch des Bundesarchivs zufolge lassen sich die Geburtsorte von 23 deportierten hessischen Juden auf die Stadt oder den Kreis Gießen zurückführen. Zieht man Deportationszüge aus anderen Städten in Betracht, lassen sich die Namen von 48 Opfern kenntlich machen, die einen Bezug zu Gießen hatten.

2015 hat die Stadt Minsk mit der Errichtung einer Gedenkstätte am Vernichtungsort Malyj Trostenez begonnen, in die dank des Engagements des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) Dortmund, der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte "Johannes Rau" (IBB) Minsk sowie weiterer Initiativen seit 2018 auch die Erinnerung an die im Wald von Blagowschtschina ermordeten Holocaust-Opfer integriert ist. Die von IBB Dortmund und Minsk gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas konzipierte Wanderausstellung ist seit November 2016 unterwegs und wird in Gießen als erste hessische Station gezeigt. Von Prof. Thomas Bohn, der im Sommer als Sondergast des Bundespräsidenten nach Minsk gereist war und am 29. Juni 2018 zusammen mit drei Gießener Studierenden an der Feier zur Einweihung des zweiten Teilabschnitts der Gedenkstätte Malyj Trostenez teilgenommen hatte, ging die Initiative aus, die Ausstellung nach Gießen zu holen. Die Gießener Ausstellung erfährt durch lokale Fallbeispiele eine Ergänzung, die von Studierenden der Justus-Liebig-Universität unter der Federführung von Prof. Dr. Thomas Bohn, Professor für Osteuropäische Geschichte am Historischen Institut der JLU, präsentiert werden.

Zum Rahmenprogramm gehören neben Vorträgen und Lesungen die Präsentation eines Dokumentarfilms, Führungen durch die Ausstellung und über die Gießener Stolpersteine. Zum Trägerkreis zählen neben der Stadt Gießen (Stadtarchiv, Volkshochschule) und der JLU (Arbeitsstelle Holocaustliteratur, Gießener Zentrum Östliches Europa, Historisches Institut), Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. Regionale Arbeitsgruppe Mittelhessen, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar, die Jüdische Gemeinde Gießen und der Oberhessische Geschichtsverein Gießen e.V.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 11. Dezember, um 18.00 Uhr, in der Kongresshalle Gießen statt. Moderieren wird den Abend Prof. Dr. Thomas Bohn. Neben Grußworten von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, der Vizepräsidentin der Justus-Liebig-Universität, Prof. Dr. Verena Dolle, dem Botschafter der Republik Belarus, Denis Sidorenko, der Geschäftsführerin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB), Dr. Astrid Sahm, dem Vorsitzenden des Landesverbandes im Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Karl Starzacher sowie dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Dr. Dow Aviv, wird das Streichquartett des Universitätsorchesters den Abend musikalisch begleiten. Eine Einführung in die Ausstellung wird Dr. Aliaksandr Dalhouski (Geschichtswerkstatt Minsk) geben. 

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier. Das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie hier.


 


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