Der Oberhessische Geschichtsverein Gießen e. V. lädt heute Abend zu dem ersten Vortrag seiner Veranstaltungsreihe im neuen Jahr ein. Um 19 Uhr spricht im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz die Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher (Universitäten Bonn und Leuven/Belgien) über Leben und Wirken des „unpolitischen Gelehrten“ Paul Kahle (1875–1964), der in die Speichen der NS-Diktatur geriet. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Mit Gießen verbinden Paul Kahle wichtige Lebensstationen: 1914 wurde er hier auf den ersten Lehrstuhl für Orientalistik berufen, 1917 heiratete er Marie, geb. Gisevius, die Tochter seines Gießener Universitätskollegen Paul Gisevius. Zudem fand Paul Kahle auch seine letzte Ruhestätte in der Gisevius-Grabstätte auf dem Friedhof am Rodtberg; eine 2015 angebrachte Namenstafel erinnert an ihn.
Paul Ernst Kahle zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Orientalistik des 20. Jahrhunderts. Ab 1923 leitete er das Orientalische Seminar in Bonn und erlangte rasch internationales Ansehen. Diese Karriere endete 1938 abrupt mit seiner Entlassung aus dem Universitätsdienst. Seine Ehefrau Marie Kahle (1893–1948) war in Bonn zu einer entschiedenen Gegnerin des NS-Regimes geworden und hatte nach der „Reichskristallnacht“ jüdischen Freunden beim Aufräumen ihres zerstörten Geschäfts geholfen. Daraufhin setzte eine regelrechte Hetzkampagne gegen die Familie ein. 1939 gelang es Marie Kahle, ihre Angehörigen in letzter Minute nach England in Sicherheit zu bringen.
Nähere Details zum Vortrag sind hier zu finden. Das gesamte Programm der Vortragsreihe können Sie hier einsehen.