am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

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Aktuelles

Buchvorstellung und Gespräch - ′Als Blinder in Theresienstadt. Der Münchner Schriftsteller Norbert Stern′

Am Dienstag, den 05. Dezember 2017, laden die Arbeitsstelle Holocaustliteratur und das Literarische Zentrum Gießen (LZG) zu einer Lesung mit dem Historiker Wolfgang Benz zur Vorstellung seines neuen Buches "Als Blinder in Theresienstadt. Der Münchner Schriftsteller Norbert Stern" ein. Das Buch ist 2017 in der Reihe Jüdische Miniaturen des Hentrich und Hentrich Verlags Berlin erschienen.

Norbert Stern wurde 1881 in Dettensee, einem Dorf am Neckar in Baden-Württemberg, geboren. Nach einer Karriere als Techniker widmete er sich immer mehr der Philosophie. Er promovierte und erweiterte sein Interessenfeld im Bereich Mode und Kultur. Im Ersten Weltkrieg erlitt Stern als Soldat eine schwere Augenverletzung, die erhebliche Sehstörungen zur Folge hatte und die einige Jahre später zur vollständigen Erblindung führten. Als Schriftsteller und Privatgelehrter veröffentlichte er 1922 sein erstes Werk. Doch im Sinne der NS-Ideologie galt Stern ab 1933 als Jude und konnte seinen Beruf nicht weiter ausüben. Am 21. Juni 1942 wurde Norbert Stern dann von München in das Getto Theresienstadt deportiert, da er durch seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg als 'privilegiert' galt. Trotz seiner Blindheit, nahm er die Zeit sehr intensiv wahr und versuchte, die Erinnerungen in seinen Aufzeichnungen "Ein Blinder erlebt Theresienstadt" festzuhalten. Dieses Manuskript wurde jedoch nie veröffentlicht.

Nach seiner Befreiung lebte Stern bis zu seinem Tod in München. Ein Teil seiner Aufzeichnungen konnten vor seiner Deportation gerettet werden, sodass er in den 1960er Jahren ein weiteres Werk mit dem Titel "Wer bist du, Mensch?" veröffentlichte.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im KiZ (Südanlage 3A, 35394 Gießen). Der Eintritt ist frei.


Neues Editionsprojekt zur Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust

Seit September 2017 läuft an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur ein neues Editionsprojekt, das in besondere Weise den Blick auf die Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust richtet und der hiesigen Forschung und Öffentlichkeit eine neue Quelle zugänglich macht.

So wie in vielen Orten Europas sammelten und dokumentierten auch in Deutschland überlebende Juden Berichte, Dokumente und andere Zeugnisse über den Holocaust. Sie wollten damit Grundlagen für die Forschung legen, aufklären und die Erinnerungen bewahren. Die für das Sammeln und Dokumentieren im besetzten Deutschland zentrale Institution war die Zentrale Historische Kommission des Zentral-Komitees der befreiten Juden in München. Hier gaben Israel Kaplan und Moyshe Feygenboym bis Dezember 1948 die jiddischsprachige Zeitschrift Fun letstn khurbn. Tsaytshrift far geshihkte fun Yidishn leben beysn natsi-rezhim (Von der letzten Vernichtung. Zeitschrift für die Geschichte jüdischen Lebens unter dem Nazi-Regime) heraus. Hierin veröffentlichten sie vor allem solche Zeugnisse, die Licht auf den Alltag und das Kulturleben, aber auch den Widerstand in zahlreichen Orten und Gettos werfen. So schufen sie ein innovatives Projekt, das seiner Zeit weit voraus war und Themenfelder behandelte, die von der (universitären) Forschung erst Jahrzehnte später ‚entdeckt‘ wurden.

Finanziert durch die Friede Springer-Stiftung entsteht an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur nun eine vollständige deutsche Übersetzung der Zeitschrift. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Arbeitsstelle trauert um Herbert ′Ede′ Plötner

Das Team der Arbeitsstelle trauert um seinen langjährigen Freund und Unterstützer Herbert "Ede" Plötner, der nach langer Krankheit am 18.September verstorben ist. Ede war über mehr als ein Jahrzehnt immer da, wenn an der AHL Hilfe benötigt wurde: Er hat an der Seite seiner Frau Elisabeth Turvold bei Veranstaltungen geholfen, war sogar als "Kurier" für die AHL während der Editionsarbeiten der Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt tätig und hat als Mediengestalter v.a. den Internetauftritt und das neue Logo der Arbeitsstelle gestaltet. Ede hat nicht zuletzt damit viele Spuren an der AHL hinterlassen, die uns immer an ihn erinnern werden. Wir sind tief traurig, aber auch sehr dankbar, Ede so lange an unserer Seite gehabt zu haben.


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Arbeitsstelle Holocaustliteratur
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