am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Ihre Spende Newsletter

Aktuelles

Rückblick: Buchvorstellung und Gespräch mit Wolfgang Benz - Artikel in der Gießener Allgemeinen Zeitung erschienen

Am 5. Dezember 2017 stellte der Historiker Wolfgang Benz auf Einladung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) im KiZ sein neues Buch „Als Blinder in Theresienstadt. Der Münchner Schriftsteller Norbert Stern“ vor. Im Anschluss folgte ein Gespräch mit Jeanne Flaum von der AHL.

Benz zeichnete ausführlich den Lebensweg von Norbert Stern nach und berichtete dabei auch von seinen Recherchen. Erstmals hörte Benz in einem Radiobeitrag von dem blinden Norbert Stern, der die Haft in Theresienstadt überlebt hatte.  Eine schwere Augenverletzung, die er als Soldat im Ersten Weltkrieg erlitt, war die Ursache dafür, dass er schließlich erblindete.

Als Schriftsteller und Privatgelehrter veröffentlichte er bereits 1922 sein erstes Werk. Da Stern ab 1933 im Sinne der NS-Ideologie als Jude galt, obwohl er im Alter von 35 Jahren zum Christentum konvertiert und streng gläubiger Christ war, konnte er seinen Beruf nicht weiter ausüben. Am 21. Juni 1942 wurde Norbert Stern dann von München in das Getto Theresienstadt deportiert. Durch seinen  Einsatz im Ersten Weltkrieg galt er als 'privilegiert'. Trotz seiner Blindheit nahm er die Zeit sehr intensiv wahr und versuchte, die Erinnerungen in seinen Aufzeichnungen "Ein Blinder erlebt Theresienstadt" festzuhalten. Dieses Manuskript wurde jedoch nie veröffentlicht. Nach seiner Befreiung lebte Stern bis zu seinem Tod in München. Ein Teil seiner Aufzeichnungen konnte vor seiner Deportation gerettet werden, sodass er in den 1960er Jahren ein weiteres Werk mit dem Titel "Wer bist du, Mensch?" veröffentlichte.
In einem Gespräch mit Jeanne Flaum erläuterte Benz die Schwierigkeiten, die sich bei seinen  Nachforschungen ergaben, aber auch von den überraschenden Wenden dabei.

Benz erzählte etwa, dass sich nach der Veröffentlichung des Buches über Norbert Stern die Tochter von Sterns unehelicher Tochter bei ihm meldete und ihm berichtete, dass ein unveröffentlichtes Manuskript mit Sterns Aufzeichnungen über Theresienstadt in einem Hotel bedauerlicherweise vergessen wurde und verloren gegangen ist, wie insgesamt der Großteil von Sterns wohl überraus zahlreichen Schriften und Manuskripten.

Die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete am 7. Dezember 2017 ausführlich über die Veranstaltung. Den Artikel finden Sie hier.


Workshop ′Gefängnisliteratur, Lagerliteratur, Holocaustliteratur: Definitionen, Grenzen, Vergleiche/Überschneidungen′

27./28. November 2017

Zu einem zweitägigen Workshop zum Thema "Gefängnisliteratur, Lagerliteratur, Holocaustliteratur: Definitionen, Grenzen, Vergleiche/Überschneidungen" hatte die AHL am 27. und 28. November 2017 neben Fachkollegen von der JLU auch einige externe Forscher eingeladen, um darüber zu sprechen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen 'Lagerliteraturen' und 'Lagerdiskursen‘ bestehen und wie man diese einerseits definieren und voneinander abgrenzen – etwa im Hinblick auf das Diskursfeld der Holocaustliteratur –, andererseits aber auch komparatistisch untersuchen kann.

Ein Vortrag von Franziska Thun-Hohenstein (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin) zur Literatur des russischen Schriftstellers Varlam Ŝalamov (1907-1982), der zu den herausragendsten Autoren der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts zählt, leitete am Montag die Diskussion über literarische Darstellungen und Schreibweisen der Lagerhaft ein. Ŝalamov war 18 Jahre in Gefängnissen und Lagern des sowjetischen Gulag inhaftiert, davon 14 Jahre in der Region um den Fluss Kolyma.
Neben der Frage, welche Form Ŝalamov für die Darstellung seiner traumatischen Erfahrungen in den Arbeitslagern Stalins wählte und wie er sein Schreiben darüber poetologisch verstanden wissen wollte, wurde an beiden Tagen vor allem auch diskutiert, ob es so etwas wie eine allgemeine Lagerliteratur gibt und was solche Texte ästhetisch und inhaltlich möglicherweise charakterisiert. Es wurden ebenfalls Überlegungen angestellt, wie man damit umgehen kann, dass unter diesen Begriff Texte mit sehr unterschiedlichem Anspruch an Literarizität und Zeugenschaft fallen.
Es wurde vereinbart, die Diskussion im kommenden Jahr bei einem weiteren Workshop zu vertiefen und zu erweitern.


Neues Editionsprojekt zur Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust

Seit September 2017 läuft an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur ein neues Editionsprojekt, das in besondere Weise den Blick auf die Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust richtet und der hiesigen Forschung und Öffentlichkeit eine neue Quelle zugänglich macht.

So wie in vielen Orten Europas sammelten und dokumentierten auch in Deutschland überlebende Juden Berichte, Dokumente und andere Zeugnisse über den Holocaust. Sie wollten damit Grundlagen für die Forschung legen, aufklären und die Erinnerungen bewahren. Die für das Sammeln und Dokumentieren im besetzten Deutschland zentrale Institution war die Zentrale Historische Kommission des Zentral-Komitees der befreiten Juden in München. Hier gaben Israel Kaplan und Moyshe Feygenboym bis Dezember 1948 die jiddischsprachige Zeitschrift Fun letstn khurbn. Tsaytshrift far geshihkte fun Yidishn leben beysn natsi-rezhim (Von der letzten Vernichtung. Zeitschrift für die Geschichte jüdischen Lebens unter dem Nazi-Regime) heraus. Hierin veröffentlichten sie vor allem solche Zeugnisse, die Licht auf den Alltag und das Kulturleben, aber auch den Widerstand in zahlreichen Orten und Gettos werfen. So schufen sie ein innovatives Projekt, das seiner Zeit weit voraus war und Themenfelder behandelte, die von der (universitären) Forschung erst Jahrzehnte später ‚entdeckt‘ wurden.

Finanziert durch die Friede Springer-Stiftung entsteht an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur nun eine vollständige deutsche Übersetzung der Zeitschrift. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Arbeitsstelle trauert um Herbert ′Ede′ Plötner

Das Team der Arbeitsstelle trauert um seinen langjährigen Freund und Unterstützer Herbert "Ede" Plötner, der nach langer Krankheit am 18.September verstorben ist. Ede war über mehr als ein Jahrzehnt immer da, wenn an der AHL Hilfe benötigt wurde: Er hat an der Seite seiner Frau Elisabeth Turvold bei Veranstaltungen geholfen, war sogar als "Kurier" für die AHL während der Editionsarbeiten der Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt tätig und hat als Mediengestalter v.a. den Internetauftritt und das neue Logo der Arbeitsstelle gestaltet. Ede hat nicht zuletzt damit viele Spuren an der AHL hinterlassen, die uns immer an ihn erinnern werden. Wir sind tief traurig, aber auch sehr dankbar, Ede so lange an unserer Seite gehabt zu haben.


Drucken


TOP
Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto-Behaghel-Str. 10 B / 1 · D-35394 Gießen · Deutschland
arbeitsstelle.holocaustliteratur@germanistik.uni-giessen.de