am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

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Aktuelles

Jahrestagung 2018 der AHL in Berlin

Die jährliche Planungstagung der AHL fand in diesem Jahr vom 8. bis 9. Januar 2018 erneut in Berlin statt. Besprochen und abgestimmt wurden Publikationsvorhaben, Veranstaltungen und Projekte, die im Jahr 2018 weitergeführt, abgeschlossen oder neu begonnen werden sollen.
Da die AHL 2018 auch ihr 20-jähriges Bestehen feiert, wurde besonders auch die Jubiläumsveranstaltung, die voraussichtlich im September zusammen mit der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich stattfinden soll, geplant. Darüber hinaus nutzten Anika Binsch, Sascha Feuchert, Charlotte Kitzinger und Markus Roth die Gelegenheit, um die Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz" und die ständige Ausstellung "Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden" zu besuchen.


Bericht: Studienfahrt nach Oświęcim/Auschwitz 2017

Vom 10. bis zum 17. Dezember 2017 nutzten 13 Jugendliche die Gelegenheit, an der Studienfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau teilzunehmen, die vom Jugendbildungswerk des Landkreises Gießen in Kooperation mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur durchgeführt wurde.

Vorausgegangen war der Bildungsreise eine inhaltliche Vorbereitung, vor allem zur Geschichte und Nachgeschichte des Holocaust. Zunächst wurde die Entwicklung des nationalsozialistischen Verfolgungs- und Lagersystems aufgearbeitet. Um eine Annäherung auch auf individueller Ebene zu ermöglichen, gab es außerdem die Gelegenheit, sich mit einzelnen literarischen Werken der Holocaustliteratur auseinanderzusetzen.

Das Programm vor Ort bestand aus zwei jeweils vierstündigen Begehungen des Gedenkstättengeländes: Begleitet von einem Guide der Gedenkstätte besichtigte die Gruppe sowohl das Gelände des ehemaligen Stammlagers Auschwitz und dessen Ausstellung in den ehemaligen Häftlingsbaracken, als auch das Gelände des ehemaligen Lagers Auschwitz-Birkenau. Nachdem die Jugendlichen von einer Mitarbeiterin der pädagogischen Abteilung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim/Auschwitz eingehend über das Bildungsangebot informiert wurden, konnten die Nachmittage vor allem dafür genutzt werden, in der hauseigenen Bibliothek der IJBS individuellen Fragestellungen nachzugehen. Fester Bestandteil des Programms war der gemeinsame Tagesabschluss mit einem Abendplenum, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Eindrücke, Empfindungen und Gedanken sowie Fragen in die Gruppe einbringen und stellen konnten.

Als besonders eindrücklich empfand die Gruppe das Zeitzeugengespräch mit dem heute 91-jährigen polnischen Historiker Wacław Długoborski, der unter anderem das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebte. Etwa eineinhalb Stunden berichtete Herr Długoborski von seinen Verfolgungs- und Hafterlebnissen und beantwortete anschließend Fragen. Aber auch seine Erfahrungen in Deutschland –  er war unter anderem als Gastprofessor an der Universität in Bielefeld tätig – waren Teil des Gesprächs. Für einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es die erste Begegnung mit einem Überlebenden und somit eine besonders eindrückliche Erfahrung. Durch das Gespräch mit Wacław Długoborski war es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglich, die eigenen Eindrücke aus der Gedenkstätte mit einer persönlichen Erfahrung zu verknüpfen und dadurch einen stärkeren Bezug zu den geschichtlichen Ereignissen herzustellen.
Im Rahmen eines Rundgangs durch den historischen Stadtkern Oświęcim, durch den Besuch des Jüdischen Zentrums sowie im Rahmen von Erhaltungsarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Stammlagers Auschwitz konnten weitere neue Eindrücke gewonnen und Kenntnisse vertieft werden.

Einen Tag verbrachte die Gruppe in Krakau und lernte in einer Stadtführung die Geschichte der Stadt kennen. Vor allem besuchte die Gruppe auch das ehemalige jüdische Stadtviertel Kazimierz, in dem ein Großteil der Krakauer Juden vor dem deutschen Einmarsch und auch danach bis zur Einrichtung des Gettos gelebt hatten.
Am letzten Tag besuchte die Gruppe im Kloster Harmęże die Kunstausstellung "Klischees der Erinnerung. Labyrinthe" von Marian Kołodziej. Am 14. Juni 1940 gelangte er mit dem ersten Häftlingstransport nach Auschwitz und wurde 1945 im Konzentrationslager Ebensee befreit. Nachdem Kołodziej einen Schlaganfall erlitten hatte, begann er nach fast fünfzig Jahren des Schweigens seinen Erinnerungen zeichnerisch Ausdruck zu verleihen.
Am letzten Nachmittag hatten die Jugendlichen zudem Gelegenheit, sich noch einmal individuell mit dem Ort auseinanderzusetzen – vor allem auch, um sich im Stillen zu verabschieden.

In einem Nachbereitungstreffen im Januar 2018 werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einen Projektabend vorbereiten, an dem sie die Möglichkeit haben, in kreativer Weise ihre Erfahrungen auch den Familien und Freunden vorzustellen.



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Arbeitsstelle Holocaustliteratur
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