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Agnes Grunwald-Spier
Agnes Grunwald-Spier

Arbeitsstelle Holocaustliteratur lädt am 5. Oktober 2017 zu einem Gespräch mit der Holocaustüberlebenden Agnes Grunwald-Spier ein

Am 5. Oktober 2017 wird die Holocaustüberlebende Agnes Grunwald-Spier auf Einladung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur über ihr Leben und Werk sprechen.
Grunwald-Spier wurde im Juli 1944 in Budapest geboren. Im Alter von nur 4 Monaten wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter Leona Grunwald in das Getto Budapest deportiert. Dort erlebte sie im Januar 1945 die Befreiung. 2 Jahre später, im Mai 1947, zogen sie nach Sutton, Surrey, einem Ort in der Nähe von London, wo sie bis heute lebt.
Agnes Grunwald-Spier studierte Geschichte und Politik an der Oxford Brookes University. Nach dem Studium arbeitete sie im Staatsdienst und hat seitdem zahlreiche weitere Tätigkeiten im öffentlichen und gemeinnützigen Bereich ausgeübt. 

Erst mit 51 Jahren begann sie, sich mit der Geschichte des Holocaust und ihrem eigenen Schicksal auseinanderzusetzen. Anlass hierzu war ihre Initiative, eine Ausstellung zu Anne Frank nach Sheffield zu bringen und das Bedürfnis, ihren drei Söhnen mehr von ihrer Geschichte erzählen zu können. Sie nahm sogar ihr Studium wieder auf, um einen Master im Bereich Holocauststudien an der Sheffield University zu absolvieren.

Im Juni 2010 veröffentlichte sie ihr erstes Werk "The Other Schindlers. Why some people chose to save the Jews in the Holocaust", in dem es um 30 Rettungsaktionen in zehn besetzten Ländern geht. In jedem der Fälle hat sie Kontakt zu den Rettern oder Geretteten aufgenommen, um dadurch mehr über die Hintergründe der mutigen Taten zu erfahren. Ihr zweites Werk wurde im Januar 2016 unter dem Titel "Who Betrayed the Jews? The Realities of Nazi Persecution in the Holocaust" veröffentlicht. Es beschäftigt sich mit den verschiedensten Arten des Verrats an den Juden.

Am 5. Oktober 2017 um 18 Uhr wird Frau Grunwald-Spier zunächst in einem Gespräch, das von Jeanne Flaum und Hannah Brahm moderiert wird, über ihre Biographie und ihre Werke berichten, im Anschluss daran soll das Publikum die Möglichkeit bekommen, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung findet im Alten Steinbacher Weg 44 (Seminargebäude II der JLU Gießen) im Raum 011 statt. 
Vortrag und Gespräch werden in englischer Sprache stattfinden. Der Eintritt ist frei, alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Weitere Informationen zu Agnes Grundwald-Spier finden Sie hier.


JLU und AHL Mitveranstalter der Tagung ′Engagierte Literatur im deutschsprachigen Raum nach 1989′ vom 21. bis 24. September 2017 in Łódź

Vortrag von Professor Sascha Feuchert zu Carlos Peter Reinelts "Willkommen und Abschied"

Die deutschsprachige Literatur steht in einer langen Tradition des Engagements, die bis in die Aufklärung sowie die Anfänge des 19. Jahrhunderts reicht und Höhepunkte in der Zeit des Vormärz, des Expressionismus und der Weimarer Republik, dann während des Nationalsozialismus im Exil erreichte. Auch in der Nachkriegszeit sowie nach der Wende 1990 und um die Jahrtausendwende war die 'Einmischung' von Schriftstellerinnen und Schriftstellern ein wichtiger Teil des Kulturdiskurses. Aktuell macht die Forschung dagegen eher eine Tendenz bei jüngeren Autorinnen und Autoren aus, sich weniger politisch zu engagieren, und beobachtet eine wachsende Popularität des Familienromans mit einem Rückzug ins Private. Dennoch werden gleichzeitig auch neue Schreibweisen und Genres, neue Diktionen und eine veränderte Rhetorik erprobt, um aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme und Phänomene zu thematisieren. 

Diese Formen und Richtungen des literarischen Engagements in den letzten 25 Jahren untersucht die Tagung "Engagierte Literatur im deutschsprachigen Raum nach 1989", die vom 21. bis 24. September 2017 in Łódź (Polen) stattfindet. Veranstaltet wird sie von der Uniwersytet Łódzki, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), dem PEN Zentrum Deutschland, dem Prüfungszentrum Goethe-Institut sowie dem Austriackie Forum Kultury unter der Leitung von Dr. phil. habil. Gudrun Heidemann (UŁ), Prof. Dr. Joanna Jabłkowska (UŁ), Dr. Elżbieta Tomasi-Kapral (UŁ), Prof. Dr. Sascha Feuchert (JLU) und Prof. Dr. Carsten Gansel (JLU).
Inhaltlich werden etwa literarische Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust in Werken der Folgegenerationen, die nicht überwundene Wende in Deutschland, Postkolonialismus-Debatten, Globalisierung oder Kosmopolitismus, eigene und fremde Facetten des Terrorismus, Wahrnehmung von Fremdheit, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt im Alltag, Debatten um die Meinungsfreiheit und die Verfolgung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern weltweit sowie Umweltschmutz und Umweltschutz thematisiert. 

Unter anderem wird Professor Sascha Feuchert (Arbeitsstelle Holocaustliteratur) unter dem Titel "Engagiert von der 'Flüchtlingskrise' erzählen?" über das Werk von Carlos Peter Reinelt "Willkommen und Abschied" sprechen. Neben den Vorträgen wird am 21. September um 18.15 Uhr außerdem Josef Haslinger (Schriftsteller und bis 2017 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland) über "Literatur und Engagement" sprechen.

Das vollständige Programm mit allen Beiträgen und Vortragenden finden Sie hier.


Exkursion zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und nach Krakau

Vom 25. bis 31. Juli 2017 nahmen 16 Studierende des Instituts für Germanistik an der JLU Gießen an der Exkursion der Arbeitsstelle Holocaustliteratur zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und nach Krakau teil. Im Rahmen dieses Aufenthaltes bekamen die Studierenden, wovon die Mehrheit Lehramtsstudierende waren, die Gelegenheit, sich mit der methodischen Vielfalt des Arbeitens in Gedenkstätten -  und im speziellen in Auschwitz -  als außerschulischen Lernort vertraut zu machen. Dafür durchliefen die Studierenden ein von der Gedenkstätte und der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim/Auschwitz angebotenes Begleitprogramm mit unterschiedlichen thematischen Bausteinen. Dazu gehörte etwa die durch einen Guide der Gedenkstätte betreute Besichtigung der beiden ehemaligen Lagerkomplexe Auschwitz-Stammlager und Auschwitz-Birkenau sowie der Workshop "Argument Biographie. Menschliche Werte in einer unmenschlichen Welt", in dessen Mittelpunkt der Erinnerungsbericht "Christus von Auschwitz" von Zofia Posmysz steht. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ bei den Studierenden das Zeitzeugengespräch mit dem heute 91-jährige polnischen Historiker Wacław Długoborski, der unter anderem die Gefangenschaft in Auschwitz-Birkenau überlebt hat. Für einige Teilnehmer war es die erste Begegnung mit einem Überlebenden und somit eine besonders wichtige Erfahrung als zukünftige Gedenkstätten-Teamer.
Die letzten beiden Tage der Exkursion verbrachte die Gruppe in Krakau. Dort lernten die Teilnehmer insbesondere im Rahmen eines historischen Rundgangs durch das ehemals jüdische Viertel sowie durch das frühere Gettogebiet die jüdischen Spuren der Stadt kennen und setzen sich überdies mit ihrer literarischen und filmischen Repräsentation auseinander.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand immer auch die Frage, wie der Einsatz von Texten der Holocaust  und Lagerliteratur - insbesondere nach dem Zeitalter der Zeitzeugen - im Rahmen von Gedenkstättenfahrten aussehen kann.



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