am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

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Aktuelles

HEIMATSUCHER e.V. zu Besuch an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur

Am 15. Mai 2018 war Vanessa Eisenhardt vom Verein Heimatsucher e.V. zu Besuch an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur. Vanessa Eisenhardt ist Master Studentin an der Ruhr Universität in Bochum. Seit Ende 2014 ist sie Mitglied des Vereins Heimatsucher e.V. Der Verein entstand bereits 2010 als Studienprojekt und ist seit 2014 ein eingetragener Verein, der sich als ein Zeitzeugenprojekt versteht. Es ermöglicht jungen Menschen Überlebensgeschichten von Zeitzeugen kennenzulernen und selbst zu sogenannten Zweitzeugen zu werden.

Alles begann mit der Frage "Was war eigentlich nach 1945?", so berichtet Eisenhardt. Viele Überlebende erfuhren nach dem Krieg wenig Anerkennung und Verständnis. Daher begannen die Gründer der Vereins 2010 nach Überlebenden des Holocausts in Israel zu suchen und mit ihnen Interviews durchzuführen. Auf der Grundlage dieser individuellen Schicksale und den Geschichten der Überlebenden entstand eine Ausstellung, die später auch in den Schulen Verwendung finden sollte. Ziel des Vereins ist es seitdem, Geschichten von Überlebenden weiterzugeben und die Zeitzeugen damit auch zu entlasten. Denn für viele ist es auch aufgrund des inzwischen hohen Alters eine große Belastung, ihre Geschichte immer wieder erzählen zu müssen, so berichter Eisenhardt.
Durch das Weitererzählen der individuellen Lebensgeschichten von Zeitzeugen können die Schüler/innen dann auch selbst zu sogenannten Zweitzeugen werden. Die Schülerprojekte werden mittlerweile regelmäßig an Schulen bereits ab der 4. Klasse durchgeführt. Geschichte wird damit über Identifikation und Mitgefühl persönlich bedeutsam. Gleichzeitig leisten Schüler/innen auch einen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Förderung der Demokratie. Einmal pro Monat schickt Heimatsucher Briefe der Schüler/innen an die Zeitzeugen.
Insgesamt wurden von Heimatsucher e.V. bis heute 28 Überlebende interviewt, wovon 13 Überlebensgeschichten auf der Homepage des Vereins zu finden sind. Weitere sechs Interviews sind für dieses Jahr in Planung. Mit 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern und 130 Mitgliedern ist der Verein in den letzten 4 Jahren sehr gewachsen und hat es sich zum Ziel gesetzt, Geschichte nicht zu vergessen, Erinnerung zu bewahren und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.  Mit dem Motto "Kennenlernen, Mitfühlen und Anpacken" gibt Heimatsucher so eine neue Perspektive und eine mögliche Antwort auf die Frage: "Wie sieht eine Zukunft ohne Zeitzeugen aus?"

Weitere Informationen finden Sie hier.


Gespräch mit Can Dündar und Lesung aus seinem Buch ′Verräter′ an der JLU Gießen am 3. Mai 2018

Der türkische Journalist und Autor Can Dündar war am 3. Mai 2018, dem internationalen Tag der Pressefreiheit, zu Gast an der JLU Gießen, wo er vor 430 Besuchern in einem Interview mit Sascha Feuchert über die aktuelle Situation in der Türkei, über Meinungs- und Pressefreiheit in Europa und über sein eigenes Leben im Exil sprach. Nach einer Begrüßung durch den Präsidenten der JLU, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, sowie von Madelyn Rittner vom Hessischen Literaturrat und von "Gefangenes Wort", las der Schauspieler Roman Kurtz (Stadttheater Gießen) einige Passagen aus dem neuen Buch von Can Dündar "Verräter. Von Istanbul nach Berlin. Aufzeichnungen im deutschen Exil" (Hoffmann und Campe 2017). Das Gespräch, durch Sebnem Bahadir von "Translate for Justice" übersetzt, wurde aufgezeichnet und wird am 12. Mai um 18.04 Uhr in HR2 Kultur zu hören sein. Eingeladen hatten das Literarische Zentrum (LZG), der Präsident der JLU, der Hess. Literaturrat, der Verein "Gefangenes Wort" und der PEN Deutschland.

Dündar, der Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet war und in der Türkei unter anderem auch als TV-Moderator gearbeitet hat, wurde 2015 aufgrund seiner Arbeit als Journalist – er hatte unter anderem über türkische Waffenlieferungen an islamistische Milizen in Syrien berichtet – wegen angeblicher Spionage angeklagt und inhaftiert. Im Februar 2016 sprach ihn das türkische Verfassungsgericht zunächst frei. Im Mai 2016 wurde ein Attentat auf ihn verübt, Dündars Frau konnte den Attentäter jedoch überwältigen. Nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 beschloss Dündar, der sich zu dieser Zeit auf einer Reise in Barcelona befand, nicht in die Türkei zurückzukehren und sich nicht der türkischen Justiz zu stellen, die inzwischen eine mehrjährige Haftstrafe gegen ihn verhängt hatte. Ein Angebot, in Deutschland für die "Zeit" zu schreiben sowie ein Stipendium des deutschen PEN-Zentrums ermöglichten Dündar, nach Deutschland zu kommen, wo er seither lebt und arbeitet. 

Die Türkei, so stellte Dündar mehrfach mit Nachdruck klar, sei für ihn nicht Erdoğan, es gebe auch eine andere, eine demokratische und freiheitliche Türkei. "Ich möchte, dass Sie auch diese Geschichten sehen", betonte Dündar.
Die Frage, wie man in Deutschland mit der Situation in der Türkei umgehen solle, insbesondere im Hinblick auf die Entlassung von zahlreichen Wissenschaftlern aus den Universitäten und ihre Ersetzung durch regierungstreue Bürokraten, beantwortete Dündar zunächst ausweichend. Er würde gerne sagen können, dass man weiterhin in die Türkei fahren solle und weiterhin Austausch pflegen solle, aber der letzte, dem er das geraten habe, sei der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel gewesen. (Yücel saß von Februar 2017 bis Februar 2018 wegen angeblicher 'Terrorpropaganda' in türkischer Haft.) Es bringe inzwischen gewisse Risiken mit sich, in die Türkei zu reisen, dennoch dürfe man nicht zulassen, dass das Land isoliert werde. Wichtig sei, die betroffenen Personen und Wissenschaftler nach Deutschland einzuladen, ihnen hier eine Stimme zu geben. Zu zeigen, was Meinungsfreiheit ist und kritische Fragen zu stellen, das sei von großer Bedeutung. In den 1930er Jahren seien viele deutsche Wissenschaftler vor den Nationalsozialisten in die Türkei geflohen, um von dort aus ein neues Deutschland mitzugestalten. Nun – nach 80 Jahren – wiederhole sich die Geschichte, allerdings in der Türkei, so Dündar. 

Auch Fragen zu seiner persönlichen Situation im Exil und zur Einsamkeit des Exilanten beantwortete Dündar. Er versuche das Exil (auch) aus einer positiven Perspektive zu sehen. Er habe etwa schon immer einmal im Ausland arbeiten und seine Werke in andere Sprachen übersetzt sehen wollen, das habe sich 'dank' Erdoğan nun realisiert, so bemerkte Dündar ironisch. Im Exil sei man oft sehr einsam, so Dündar, die Exilanten seien fern von Familie und Freunden, aber, so führt er weiter aus, er sehe auch folgendes: "Wir gehen nun in die alte, große Familie der Exilanten ein". Sein guter Freund, der Stift, begleite ihn überall hin, sogar ins Gefängnis. Er habe ihn zwar zunächst überhaupt ins Gefängnis gebracht, aber eben auch wieder heraus, so Dündar scherzhaft. 

Mit Ratschlägen für deutsche Politiker und die deutsche Bundesregierung wolle er sich zurückhalten, so Dündar, er sei Journalist und mit Empfehlungen etwas überfordert. Dennoch wünscht er sich ein klareres Auftreten und deutlicheres Abgrenzen der deutschen Politik von Erdoğans Politik und Strategien, so wurde deutlich. Abschließend betonte Dündar, die Türkei stecke voller Überraschungen: "Bleiben wir hoffnungsvoll, was die Türkei angeht. Wir werden diese Zeit überwinden".


Bericht zur Lesung zu ′Das siebte Kreuz′ am 18. April 2018 im Rahmen der Veranstaltung ′Frankfurt liest ein Buch - Gießen liest mit′ im Literarischen Zentrum Gießen in Kooperation mit der AHL

Am 18. April fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Frankfurt liest ein Buch - Gießen liest mit" im Literarischen Zentrum in Gießen (LZG) eine Lesung zu dem Werk "Das Siebte Kreuz" von Anna Seghers statt. In Kooperation mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und mit Unterstützung der Schauspielerin Anne-Elise Minetti (Stadttheater Gießen) wurde dem zahlreich erschienenen Publikum der Bestseller von Anna Seghers nähergebracht.

Der Roman thematisiert in sieben Kapiteln die Flucht von sieben Gefangenen aus dem fiktiven Konzentrationslager Westhofen am Rhein. Neben einer beeindruckenden künstlerischen Darbietung der Schauspielerin Anne-Elise Minetti, die unterschiedliche Auszüge aus dem Roman vorlas, skizzierte Charlotte Kitzinger (Arbeitsstelle Holocaustliteratur) nicht nur die Biografie Anna Seghers, sondern auch die Werkgeschichte und Rezeption ihres Romans. Im Zentrum stand die Frage, warum gerade dieser Roman von Anna Seghers zu einem Best- und Longseller der Weltliteratur geworden ist.

Das Werk entstand während Seghers Zeit im Exil. Obwohl Seghers somit zu dieser Zeit nicht in Deutschland war, sind im Werk konkrete und reale Bezüge zu Ereignissen in deutschen Konzentrationslagern literarisch verarbeitet. Der Roman zeigt, wie ein konkreter Unrechtsstaat, das nationalsozialistische Deutschland, seine politischen Gegner verfolgt, inhaftiert und bestraft. Die Fluchtthematik und das Motiv der ständigen Angst stehen hierbei im Mittelpunkt der Erzählung.

Anna Seghers "Das Siebte Kreuz" wurde in den USA und später auch in Deutschland zu einem Bestseller. Er ist in über 30 Sprachen übersetzt. Der Roman ist außerdem – und das ist womöglich eines seiner größten Potenziale – literarisch großartig erzählt. Er leistet einen bedeutenden Beitrag dazu, an den Nationalsozialismus und den Holocaust zu erinnern und aufzuzeigen, wie schnell sich eine Gesellschaft wandeln kann. Dies sind Themen, die nicht nur historisch relevant sind. Sie betreffen uns alle und stellen zugleich Herausforderungen dar, denen wir uns gerade in einer Zeit, in der es beunruhigende gesellschaftspolitische Entwicklungen gibt, stellen sollten und müssen.

Einen Bericht zur Lesung in der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 19. April 2018 finden Sie hier.

Die Veranstaltungsreihe "Frankfurt liest ein Buch" zu Anna Seghers Roman "Das Siebte Kreuz" läuft noch bis zum 29. April. Weitere Programminformationen finden Sie hier.


Interview mit Markus Roth in der ′Aktuellen Stunde′ im WDR am 14. April 2018

Aus Anlass des 75. Jahrestags des Aufstands im Warschauer Getto sendete die "Aktuelle Stunde" im WDR-Fernsehen einen Beitrag über den Widerstand im größten Getto unter deutscher Herrschaft. Hierfür wurde auch Markus Roth interviewt. Gemeinsam mit Andrea Löw hat er 2013 ein Buch über das Warschauer Getto und den dortigen Widerstand veröffentlicht.
Der Beitrag wurde am Samstag den 14. April 2018 um 18:45 Uhr im WDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Den Beitrag finden Sie in der Mediathek des WDR hier.


Neue Adresse der AHL

Da nun die Sanierung von Haus A/Audimax im Campusbereich Philosophikum II begonnen hat, ist die AHL am 19. März 2018 übergangsweise in die alte UB in der Bismarckstraße 37 gezogen.

Unsere neue Adresse lautet:

Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Alte Universitätsbibliothek
Bismarckstraße 37
35390 Gießen

2. OG
Raum 201 (ab 1.4.), 202, 209 und 210
Die Telefonnummern (0641 99-29083, -29073 und -29093) bleiben bestehen. Ebenso behält Prof. Sascha Feuchert sein Büro im Philosophikum I (Otto-Behaghel-Str. 10, 35390 Gießen).


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