am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

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Aktuelles

Gespräch mit der Holocaustüberlebenden Agnes Grunwald-Spier

Am 5. Oktober 2017 war die Holocaustüberlebende Agnes Grunwald-Spier zu Besuch bei der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und hat über ihre Familiengeschichte sowie ihre beiden Bücher zum Holocaust gesprochen.

Die Veranstaltung begann mit einer Präsentation, bei der Grunwald-Spier vom Leben ihrer Eltern und ihrer Geburt im Jahr 1944 berichtete. Mit nur wenigen Monaten wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter Leona Grunwald in das Getto Budapest deportiert, aus dem sie im Januar 1945 befreit wurden. Nur knapp entkamen die beiden einem Transport in die Ungewissheit. Mit ihrer humorvollen Art gelang es Frau Grunwald-Spier das Publikum für sich zu begeistern. Im zweiten Teil der Veranstaltung beantwortete sie Fragen aus dem Publikum, die sich größtenteils um ihre beiden Bücher „The Other Schindlers“ und „Who betrayed the Jews?“ drehten. In den Büchern beleuchtet Grunwald-Spier zwei Seiten des Holocaust, einerseits die Rettung jüdischer Menschen vor den Konzentrationslagern und andererseits der Verrat an ihnen, der für die Menschen in den meisten Fällen mit dem Tod endete.

Ein weiteres Buch zur Thematik ist bereits in Arbeit, dieses Mal wird es speziell um die Erfahrungen von Frauen im Holocaust gehen. Das Buch soll voraussichtlich Anfang 2018 erscheinen.


Neues Editionsprojekt zur Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust

Seit September 2017 läuft an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur ein neues Editionsprojekt, das in besondere Weise den Blick auf die Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust richtet und der hiesigen Forschung und Öffentlichkeit eine neue Quelle zugänglich macht.

So wie in vielen Orten Europas sammelten und dokumentierten auch in Deutschland überlebende Juden Berichte, Dokumente und andere Zeugnisse über den Holocaust. Sie wollten damit Grundlagen für die Forschung legen, aufklären und die Erinnerungen bewahren. Die für das Sammeln und Dokumentieren im besetzten Deutschland zentrale Institution war die Zentrale Historische Kommission des Zentral-Komitees der befreiten Juden in München. Hier gaben Israel Kaplan und Moyshe Feygenboym bis Dezember 1948 die jiddischsprachige Zeitschrift Fun letstn khurbn. Tsaytshrift far geshihkte fun Yidishn leben beysn natsi-rezhim (Von der letzten Vernichtung. Zeitschrift für die Geschichte jüdischen Lebens unter dem Nazi-Regime) heraus. Hierin veröffentlichten sie vor allem solche Zeugnisse, die Licht auf den Alltag und das Kulturleben, aber auch den Widerstand in zahlreichen Orten und Gettos werfen. So schufen sie ein innovatives Projekt, das seiner Zeit weit voraus war und Themenfelder behandelte, die von der (universitären) Forschung erst Jahrzehnte später ‚entdeckt‘ wurden.

Finanziert durch die Friede Springer-Stiftung entsteht an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur nun eine vollständige deutsche Übersetzung der Zeitschrift. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Arbeitsstelle trauert um Herbert ′Ede′ Plötner

Das Team der Arbeitsstelle trauert um seinen langjährigen Freund und Unterstützer Herbert "Ede" Plötner, der nach langer Krankheit am 18.September verstorben ist. Ede war über mehr als ein Jahrzehnt immer da, wenn an der AHL Hilfe benötigt wurde: Er hat an der Seite seiner Frau Elisabeth Turvold bei Veranstaltungen geholfen, war sogar als "Kurier" für die AHL während der Editionsarbeiten der Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt tätig und hat als Mediengestalter v.a. den Internetauftritt und das neue Logo der Arbeitsstelle gestaltet. Ede hat nicht zuletzt damit viele Spuren an der AHL hinterlassen, die uns immer an ihn erinnern werden. Wir sind tief traurig, aber auch sehr dankbar, Ede so lange an unserer Seite gehabt zu haben.


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Arbeitsstelle Holocaustliteratur
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