am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Zum 117. Geburtstag von Ernst-Ludwig Chambré: Die AHL erinnert an den Stifter und Förderer

04.11.2026

4. November 2026

Heute vor 117 Jahren wurde Ernst-Ludwig Chambré im oberhessischen Lich geboren. Anlässlich seines Geburtstags erinnert die Arbeitsstelle Holocaustliteratur (AHL) an den Holocaust-Überlebenden und Stifter. Ohne seine Initiative und die nachhaltige Unterstützung der nach ihm benannten Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich wäre unsere Arbeit in ihrer heutigen Form nicht möglich.

Ernst-Ludwig Chambré wurde 1909 als Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie in Lich geboren. Er studierte u.a. an der damaligen Ludwigs-Universität in Gießen Rechtswissenschaft und musste am Tag seines juristischen Abschlussexamens im März 1933 bereits seinen Heimatort verlassen. Zunächst floh er vor dem Nazi-Terror nach Belgien, später gelang ihm die Flucht über Frankreich, Spanien und Portugal nach Palästina. Seine gesamte Familie wurde in Auschwitz ermordet. 1947 wanderte Ernst Ludwig Chambré mit seiner Frau in die USA aus. 

Im Jahr 1987 recherchierten Schüler:innen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich auf Initiative ihres Lehrers Dr. Klaus Konrad-Leder die NS-Geschichte ihrer Stadt. Anlass hierfür waren Nazi-Schmierereien an einer Kirche des Ortes. Bei ihrer Recherche suchten sie gezielt nach Licher Überlebenden des Holocaust – und fanden Ernst-Ludwig Chambré, der in New York lebte. Es gelang ihnen, Kontakt zu ihm aufzunehmen, der sich in den folgenden Jahren festigte.

Etwa ein halbes Jahr nach seinem Tod am 20. Juni 1996 wurde 1997 die nach ihm benannte Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich gegründet. Ihre Ziele hatte er noch zu Lebzeiten mitgestaltet und die Stiftung großzügig finanziell ausgestattet. Seither hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an das hessische Judentum zu bewahren, die Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu fördern und zur Erforschung von Antisemitismus und Rassismus beizutragen.

Seit ihren Anfängen ist die AHL der Stiftung eng verbunden: Die Arbeitsstelle wurde im Wintersemester 1998/1999 als interdisziplinäre Einrichtung am Institut für Germanistik der JLU Gießen gegründet. Vorausgegangen waren intensive Überzeugungsarbeit und das Engagement zahlreicher Unterstützer:innen innerhalb und außerhalb der Universität. Die Förderung durch die Chambré-Stiftung leistete dabei einen entscheidenden Beitrag und ist bis heute eine tragende Säule unserer Arbeit. Besonderen Anteil daran hatte der 2014 verstorbene geschäftsführende Direktor der Stiftung, Dr. Klaus Konrad-Leder. Ihm war es ein wichtiges Anliegen, im Sinne Ernst-Ludwig Chambrés die Erinnerung an den Holocaust gerade auch in dessen Herkunftsregion und an seiner ehemaligen Universität in Gießen wachzuhalten.

Sichtbarer Ausdruck dieser Zusammenarbeit ist die seit dem 1. Juni 2017 bestehende „Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik“, die Prof. Sascha Feuchert innehat. Die Stiftung unterstützt außerdem zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und Publikationen der AHL. Seit 2015 geben beide Einrichtungen gemeinsam die im Berliner Metropol Verlag erscheinende Schriftenreihe „Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur“ heraus. Darüber hinaus fördert die Stiftung etwa die historisch-politische Jugendbildung, darunter Seminare an Gedenkstätten wie Auschwitz.

Heute gedenken wir Ernst-Ludwig Chambrés und würdigen sein Leben und Wirken. Sein Vermächtnis ist uns Verpflichtung und Ansporn, die Erinnerung an den Holocaust durch Forschung, Lehre und Bildungsarbeit wachzuhalten.

Eine ausführliche Biografie Ernst-Ludwig Chambrés finden Sie hier. Weitere Informationen zur Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung finden Sie hier.



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Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto-Behaghel-Str. 10 B / 1 · D-35394 Gießen · Deutschland
arbeitsstelle@holocaustliteratur.de
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