Geschichte neu denken, relevant und zugänglich machen – diesem Anspruch folgt das Edutainment-Format „90SekundenGeschichte“, das von LOOKSfilm im Auftrag des SWR produziert wird. Seit November 2025 erscheinen auf dem gleichnamigen TikTok-Kanal wöchentlich Kurzvideos, die Aspekte der NS-Zeit und des Holocaust beleuchten, historische Begriffe erklären und Bezüge zur Gegenwart herstellen. Fachberatend begleitet wird die Produktion vom Team der AHL.
Anfang Februar war Ramona Bergmann, Creative Producerin sowie Autorin bei LOOKSfilm und eine der koordinierenden Kräfte hinter dem TikTok-Format, digital zu Gast im Seminar „‚Stories‘ gegen das Vergessen? Holocaust(-literatur) in den sozialen und digitalen Medien“. Die von Jennifer Ehrhardt und Felix Luckau im Wintersemester 2025/26 angebotene und durch einen HEFNU Teaching Grant finanzierte Lehrveranstaltung widmete sich der Frage, wie sich komplexe historische Erfahrungen in digitale, klick- und teilbare Formate – von Games über Storytelling-Plattformen bis hin zu sozialen Medien – übersetzen lassen und wie sich das Erzählen über den Holocaust gegenwärtig verändert.
Vor diesem Hintergrund erläuterte Bergmann im Gespräch die Idee hinter „90SekundenGeschichte“: Ziel sei es, den oftmals verzerrenden historischen Inhalten im Netz Gegennarrative entgegenzusetzen. Entscheidend sei daher weniger die Frage, ‚ob‘ Geschichte digital vermittelt werden könne, sondern ‚wie‘. Zudem gab sie Einblicke in den Entstehungsprozess der Videos – von der Themenauswahl über den Umgang mit Quellen bis zu dramaturgischen Entscheidungen. Besonders diskutiert wurde der Spagat zwischen plattformgerechtem Storytelling und historischer Genauigkeit.
Im Austausch mit den Studierenden wurden auch die Chancen und Grenzen der digitalen Geschichtsvermittlung erörtert. Bergmann betonte, dass schulischer Unterricht oft stark faktenorientiert sei, während persönliche Geschichten zu selten im Mittelpunkt stünden. Gerade darin liege ein Potenzial des Formats, das Geschichte auch über individuelle Schicksale greifbarer zu machen sucht. Die Entscheidung für ein nicht-fiktionales Konzept sei bewusst gefallen, so Bergmann: „Wir müssen nichts erfinden; es gibt so viele reale Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden.“
Zum Abschluss nutzten die Studierenden die Gelegenheit, konstruktives Feedback zum Format zu geben und eigene Themenvorschläge für Kurzvideos einzubringen.
Für diese überaus spannenden Einblicke danken wir Ramona Bergmann herzlich!