Im September war die Gesprächsreihe „Demokratieforschung im Dialog“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur zu Gast an der JLU. Unter dem Titel „Demokratie lehren, lernen, leben. Impulse einer forschungsstarken und praxisnahen Lehrkräftebildung“ fand sie am 22.09 in der Aula der Universität ein moderiertes Podiumsgespräch mit Raum für Publikumsfragen statt. Der Mitschnitt der Veranstaltung ist nun online verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=9IZ7DhF7sbw
Den Auftakt des Abends bildete, nach ein einem Grußwort der Präsidentin der JLU Prof. Dr. Katharina Lorenz und des hessischen Wissenschaftsministers Timon Gremmels, ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Sascha Feuchert (AHL) zur Arbeit mit Holocaustliteratur in und zu Gedenkstätten als Baustein historisch fundierter Demokratiebildung. Feuchert stieg mit der Feststellung ein: „Diktatoren und Autokraten hassen Literatur.“ Denn Literatur ermögliche als subversiver Akt Multiperspektivität und Empathie; sie gebe keine klaren Antworten und schule das Selbstdenken – genau das, was Diktaturen zuwiderlaufe. Ausgehend von einem etablierten Modell, das Demokratiebildung als Bildung über, durch und für Demokratie definiert, stellte Feuchert ein Seminar vor, in dem Studierende eine Exkursion nach Auschwitz vorbereiten und durchführen und dadurch die Qualifikation von ‚Gedenkstätten-Teamer:innen‘ erhalten. Er hob dabei das regelmäßige Plenum als Raum gleichberechtigter und somit demokratischer Diskussion hervor. Die eigenständige öffentliche Auswertung der Fahrt solle die Studierenden darin bestärken, sich als selbstbestimmte Akteur:innen zu erfahren. Durch die Verbindung historischen, politischen und literarischen Lernens fördere das Seminar die Orientierungskompetenz und mache die Universität zu einem Ort demokratischer Aushandlungsprozesse.
Im anschließenden Gespräch stellte die hr-Moderatorin Eva Roessler neben Feuchert und Gremmels Fragen an Prof. Dr. Simone Abendschön (Demokratie- und Sozialisationsforschung, JLU), Prof. Dr. Alexander Goesmann (Vizepräsident für Studium und Lehre, JLU) sowie an Manuel Theil, der als Vertreter der Fachschaft Lehramt für die Studierenden sprach.