am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Exkursion mit JLU-Studierenden und Polizeibeamten des Polizeipräsidiums Mittelhessen in die Gedenkstätte Auschwitz und nach Krakau vom 9. bis 16. März 2026

Studierende der JLU und Beamte des Polizeipräsidiums Mittelhessen wurden auf einer Exkursion der AHL in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und nach Krakau zu Gedenkstättenteamern ausgebildet


Besichtigung des Geländes des ehemaligen Stammlagers Auschwitz / Foto: Jennifer Ehrhardt

Vor genau 30 Jahren, im Jahr 1996, begleitete Prof. Sascha Feuchert, der damals selbst noch Student war, erstmals eine Jugendgruppe in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Seitdem setzt er sich gemeinsam mit dem Team der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen dafür ein, eine solche Exkursion als festen Bestandteil der universitären Lehre jährlich anzubieten.

Diese langjährige Lehrtradition wurde auch 2026 fortgeführt: Vom 9. bis 16. März fand erneut eine Studienfahrt im Rahmen des von Sascha Feuchert und Anika Binsch geleiteten Seminars „Holocaustliteratur und Auschwitz“ statt. Insgesamt nahmen 19 Personen teil – darunter Lehramtsstudierende, Masterstudierende der Germanistik mit dem Schwerpunkt „Holocaust- und Lagerliteratur“ sowie erstmals vier Beamte des Polizeipräsidiums Mittelhessen. Hintergrund ihrer Teilnahme ist die 2025 eingegangene „Allianz für Demokratie“, mit der Universität und Polizeipräsidium ihre Kooperation in der historisch-politischen Bildungsarbeit vertiefen, um die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Diktatur und deren Bedeutung für staatliches Handeln in der Gegenwart zu stärken. Bereits im Vorfeld der Reise hatten sich die Teilnehmenden zu diesem Zweck in zwei Blockseminaren mit der Geschichte und Nachgeschichte des Holocaust und des Lagerkomplexes Auschwitz sowie mit literarischen Zeugnissen von Überlebenden und Opfern auseinandergesetzt.

Die Exkursion war in zwei Abschnitte unterteilt: Zunächst verbrachte die Gruppe fünf Tage in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Nach einer Einführung in die pädagogische Arbeit der IJBS erhielten die Teilnehmenden am ersten Tag eine Stadtführung auf den Spuren der ehemaligen jüdischen Gemeinde. Diese umfasste auch den Besuch des Jüdischen Gedenkzentrums und der letzten erhaltenen Synagoge der Stadt.

In den folgenden vier Tagen lag der Fokus auf der intensiven Auseinandersetzung mit dem Lagerkomplex Auschwitz. Drei ausführliche Führungen über die ehemaligen Gelände von Auschwitz I (Stammlager), Auschwitz II (Birkenau) sowie Auschwitz III (Monowitz) bildeten den Kern des Programms. Dies wurde durch Einblicke in künstlerische Formen der Erinnerung ergänzt, etwa durch eine Führung durch das exklusive Kunstdepot der Gedenkstätte mit Kurator Jan Kapłon sowie den Besuch der Dauerausstellung „Klischees der Erinnerung“ von Marian Kołodziej (1921–2009), einem der ersten Auschwitz-Häftlinge, in Harmęże.
Neben den geführten Programmpunkten erhielten die Teilnehmenden außerdem Gelegenheit, selbstständig die Länderausstellungen des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau zu besuchen, an Workshops teilzunehmen oder mit Opferberichten und Täterdokumenten aus dem Archiv der Gedenkstätte zu arbeiten, die in der Bibliothek der IJBS zugänglich sind.

Die letzten beiden Tage führten die Gruppe nach Krakau. Höhepunkt war ein Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden Anna Janowska-Ciońćka (*1936) im Jüdischen Museum Galizien, das von Sylwia Jeruzal zweisprachig moderiert wurde. Unter dem Titel „Verletzter Baum“ berichtete die 90-Jährige von ihrer Kindheit im besetzten Polen, dem Verlust großer Teile ihrer Familie sowie ihrem Überleben im Getto und im Versteck. Besonders eindringlich schilderte sie die Ereignisse in dem Ort Rabka, in dem sie zeitweise lebte. Dort befand sich eine Ausbildungsschule der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdiensts unter dem Kommando von Wilhelm Rosenbaum, der Selektionen anordnete und für Massenexekutionen an der jüdischen Bevölkerung verantwortlich war – auch an Angehörigen ihrer Familie. Nur durch die Hilfe des polnischen Schulleiters Marian Sikorski überlebten sie, ihre Mutter und ihre Schwester den Krieg. Heute, so erklärte Janowska-Ciońćka, sehe sie es als ihre Aufgabe, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten – besonders gegenüber jungen Menschen und zukünftigen Verantwortungsträgern in Bildung und Staat. Ihr Appell an die Teilnehmenden: „Seid nicht gleichgültig, folgt keiner Ideologie, die zu so etwas führen kann.“

Den Abschluss der Studienfahrt bildete schließlich eine thematische Stadtführung zur deutschen Besatzungszeit in Krakau. Dabei erkundete die Gruppe das historische jüdische Viertel Kazimierz sowie das ehemalige Gettogebiet im Stadtteil Podgórze. Auch die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Plaszow wurde besucht.


Ein herzlicher Dank gilt der Olga Alexandra Hübner Stiftung, dem Präsidium und FB 05 der JLU sowie dem Förderverein der AHL e.V., ohne deren finanzielle Unterstützung die Fahrt nicht möglich gewesen wäre!


Drucken
TOP
Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto-Behaghel-Str. 10 B / 1 · D-35394 Gießen · Deutschland
arbeitsstelle@holocaustliteratur.de
News

Diese Webseite verwendet Cookies
Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Funktionen personalisieren zu können. Bitte treffen Sie Ihre Auswahl, um den Funktions-Umfang unserer Cookie-Technik zu bestimmen. Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.