Jennifer Ehrhardt: Vom Buch zum Screen: Digitale Formen des Lesens und Erzählers über den Holocaust
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026, wöchentlich Mo. 10:00-12:00 Uhr
Phil. I, B 033
Digitale Medien prägen zunehmend unser Verständnis der Vergangenheit und bringen neue Formen des Erinnerns hervor. Dabei eröffnen sie vielfältige Möglichkeiten, historische Erfahrungen und individuelle Schicksale zugänglich zu machen und narrativ aufzubereiten. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar dem „Digital Storytelling“ als gegenwärtiger Praxis des Gedenkens. Im Mittelpunkt stehen dabei Erzählungen über den Nationalsozialismus und den Holocaust, wie sie zahlreich auf sogenannten Storytelling-Plattformen zu finden sind. Das Seminar untersucht, wie die Ereignisgeschichte in diesen digitalen Texten dargestellt und verarbeitet wird. Zudem wird die Rolle diskutiert, die solche Erzählformen im Erinnerungsdiskurs spielen (können), sowie die Chancen, Spannungsfelder und Risiken, die mit der digitalen Vermittlung von Geschichte verbunden sind.
Sandra Binnert: Perspektiven auf Auschwitz: (Auto-)Biographische Zugänge von der Ankunft bis zur Befreiung
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026, wöchentlich Di. 14:00-16:00 Uhr
Phil. I, G 025
Auschwitz steht als Symbol für den Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts. Doch hinter den historischen Erkenntnissen stehen vor allem individuelle Schicksale, die in (auto-)biographischen Zeugnissen fassbar werden. Dieses Seminar widmet sich der Analyse zentraler Überlebendenstimmen, die den Weg von der Deportation und Ankunft an der Rampe über den Lageralltag bis hin zur Befreiung und die Zeit danach dokumentieren. Dabei werden Zeugnisse herangezogen, die ihre Erfahrungen aus den verschiedenen Lagern des Komplexes (Stammlager, Birkenau und Monowitz) schildern. Im Fokus stehen dabei Texte von Autor:innen wie Primo Levi, Seweryna Szmaglewska, Ruth Klüger oder Elie Wiesel. Wir werden untersuchen, wie die Erfahrung des "Unsagbaren" in Sprache gefasst wird, wie unterschiedlich das Erleben des Lagers war und welche Perspektiven die Auseinandersetzung mit dem Komplex Auschwitz bis heute prägen.
Michelle Damm: Verfolgung und Völkermord in der Literatur: Selbstzeugnisse von Sinti und Roma in der Bildungsarbeit
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026, wöchentlich Di. 16:00-18:00
Phil. I, B 128 (Karl-Wolfskehl-Saal)
Erst 1982 wurde die nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma als Völkermord offiziell anerkannt. Entsprechend gering sind die Kenntnisse in der Gesellschaft über diese Opfergruppe und ihre literarischen Selbstzeugnisse; in der Schule und Bildungsarbeit werden sie bislang kaum thematisiert. Durch die Erarbeitung der Verfolgungsgeschichte und die Analyse ausgewählter Selbstzeugnisse, wie beispielsweise von Ceija Stojka, soll sich im Rahmen des Seminars einer angemessenen Auseinandersetzung mit dem Völkermord in Bildungsinstitutionen vor dem Hintergrund der Kombination von historischem mit literarischem Lernen genähert werden.
Dr. Anika Binsch: Am Anfang der Erinnerung: Frühe Holocaust- und Lagerliteratur entdecken, kontextualisieren, analysieren
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026, wöchentlich Do. 08:00-10:00 Uhr
Phil. I, B 033
Zwischen 1933 und 1949 erschienen zahlreiche frühe Werke der Holocaust- und Lagerliteratur. Diese Texte über Verfolgung, Ausgrenzung, Lagererfahrungen und Massenvernichtung begründeten ein neues literarisches Diskursfeld und prägten zentrale narrative sowie paratextuelle Darstellungsmuster, die weit über 1945 hinaus wirkten. Viele dieser gattungsprägenden Veröffentlichungen gerieten jedoch schon kurz nach ihrem Erscheinen in Vergessenheit. Das Seminar erschließt ausgewählte Beispieltexte im literaturhistorischen Kontext ihrer Entstehungszeit, rekonstruiert frühe Formen des Erinnerns und vermittelt Kompetenzen, um Ursprünge, Entwicklungen und Wirkungslinien der Holocaust- und Lagerliteratur fundiert zu verstehen.
Dr. Anika Binsch: Hadamar verstehen, vermitteln, erinnern: NS-„Euthanasie“ historisch aufarbeiten und literaturbasiert inklusiv didaktisch erschließen
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026, wöchentlich Do. 16:00-18:00 Uhr
Phil. I, B 009
Das Seminar richtet sich primär an Studierende des Lehramts für Förderschulen (L5): Ihre Differenzsensibilität sowie Ihr Blick für zugängliche und adressatengerechte Aufbereitung historischer Inhalte ist zentraler Bestandteil der gemeinsamen Arbeit. Ziel ist es, fachwissenschaftliche Sicherheit mit professioneller Vermittlungskompetenz zu verbinden und Erinnerungskultur inklusiv zu gestalten.
Das Seminar verbindet dafür historische Grundlagenarbeit mit praxisorientierter Fachdidaktik. Im ersten Teil erarbeiten wir gemeinsam die ideologischen, politischen und institutionellen Voraussetzungen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen sowie die Geschichte der Tötungsanstalt Hadamar. Zudem widmen wir uns Textzeugnissen der NS-„Euthanasie“ und ihrem historischen Kontext und fragen, wie Literatur Gewaltgeschichte darstellt und welches Potenzial sie für historisches und literarisches Lernen sowie ethische Reflexion eröffnet.
Der zweite Teil ist projektorientiert: Auf Grundlage der erarbeiteten literatur- und geschichtsdidaktischen Erkenntnisse entwickeln Sie zielgruppenspezifische (literaturbasierte) Materialien und ein Vermittlungskonzept für eine Exkursion nach Hadamar mit besonderem Fokus auf heterogene Lerngruppen und inklusive Bildungssettings.
Die Exkursion findet am 28.11.2026 statt (ganztägig). Die Teilnahme daran ist verbindlich.
Dr. Anika Binsch und Jennifer Ehrhardt: Holocaustliteratur und Auschwitz: Seminar in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
Das Seminar setzt sich zum Ziel, die Teilnehmenden zu Teamern von Gedenkstättenfahrten auszubilden, unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von Texten der Holocaust- und Lagerliteratur. Dazu werden in zwei vorbereitenden Blockseminaren sowohl die Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz rekonstruiert als auch eingehend die Bedingungen und Möglichkeiten der Bildungsarbeit mit Literatur über den Holocaust anhand verschiedener Textbeispiele betrachtet. Die Exkursion in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und nach Krakau dient der praktischen Vertiefung der im Seminar diskutierten Konzepte und eröffnet einen konkreten Einblick in die gedenkstättenpädagogische Arbeit vor Ort. Die Teilnehmenden sollen so lernen, wie man eine Gedenkstättenfahrt durchführt, welche Schwierigkeiten sich ergeben können und wie diese möglicherweise erfolgreich überwunden werden. Bitte beachten: Die Teilnahme an den beiden vorbereitenden Blockseminaren ist verpflichtend.
Termine Vorbereitungsseminare:
- 29.01.2027: 12 bis 18 Uhr
- 30.01.2027: 10 bis 18 Uhr
- 26. 02.2027: 12 bis 18 Uhr
- 27.02.2027: 10 bis 18 Uhr
Die Exkursion findet vom 08.03. bis einschließlich 15.03.2027 statt.