am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Ihre Spende Newsletter

Aktuelles

Artikel von Markus Roth in Zeit Geschichte erschienen

Unter dem Titel "Kein Deutscher bietet Hilfe an" ist in der aktuellen Ausgabe von Zeit Geschichte am 14. Februar 2017 ein Artikel von Markus Roth (Arbeitsstelle Holocaustliteratur) erschienen.
Er beschreibt darin, auch anhand zahlreicher Zitate von Zeitzeugen, wie schon ab 1933 und damit lange vor den Novemberpogromen 1938 die Juden systematisch isoliert, verfolgt und entrechtet wurden. "Ob Nachbarn, Patienten und Kunden sich aus Angst vor Nachteilen, aus Opportunismus oder Überzeugung distanzierten – das Ergebnis war das gleiche: Die Juden wurden isoliert. Die Überzeugung, dass sie fremd seien und anders, sickerte in weite Schichten der Gesellschaft ein", so fasst Roth an einer Stelle zusammen.
Den Link zur Ausgabe "Der Weg in den Holocaust " im Online-Shop von Zeit Online, wo das Heft erworben werden kann, finden Sie hier.

Wolfgang Benz und Markus Roth stellten in Berlin die Lebenserinnerungen von Ruth Barnett vor

Am 23. Februar 2017 sprachen der Historiker Wolfgang Benz (Berlin) und Markus Roth (Arbeitsstelle Holocaustliteratur) im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin über die Lebenserinnerungen von Ruth Barnett.

Die deutsche Übersetzung des Buches ist unter dem Titel "Nationalität: Staatenlos. Die Geschichte der Selbstfindung eines Kindertransportkindes" Anfang Dezember 2016 erstmals in der gemeinsamen Schriftenreihe der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur "Studien und Materialen zur Holocaust- und Lagerliteratur" erschienen. 


Bericht: Lesung mit Ruth Barnett in Gießen am 13. Februar 2017

Vor etwa 190 Zuhörern las Ruth Barnett am 13. Februar 2017 im Rathaus der Stadt Gießen aus ihrem Buch "Nationalität: Staatenlos. Die Geschichte der Selbstfindung eines Kindertransportkindes", das Anfang Dezember 2016 erstmals in deutscher Übersetzung in der gemeinsamen Schriftenreihe der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur "Studien und Materialen zur Holocaust- und Lagerliteratur" erschienen ist. Im Gespräch mit Heidrun Helwig (Gießener Anzeiger) sprach sie zudem über die Geschichte ihrer Kindheit und ihrer Familie. Anschließend beantwortete sie ausführlich die zahlreichen Fragen des Publikums. 

Als Kind habe sie vieles von dem, was ihr und ihrer Familie widerfahren sei, nicht verstanden, erzählt sie. So habe sie lange Zeit fest geglaubt, ihre Mutter müsse tot sein. Eine andere Erklärung dafür, warum sie ihre Kinder alleine in England zurückgelassen habe, habe sie als kleines Kind nicht gefunden, zumal keiner mit ihr darüber gesprochen oder ihr die Umstände erklärt habe.  
Ruth Barnett war erst vier Jahre alt, als sie 1939 mit ihrem älteren Bruder in einem Kindertransport nach Großbritannien gebracht wurde. Der jüdische Vater entkam nach Shanghai, während die nicht-jüdische Mutter in Deutschland blieb. Erst zehn Jahre später sah Barnett ihre Eltern wieder. Die Jahre in England verbrachte Barnett mit ihrem Bruder, der inzwischen verstorben ist, in verschiedenen Pflegefamilien und Heimen. Während sie an einigen Orten davon sehr litt und schlecht behandelt wurde, fand sie in zwei Pflegefamilien so etwas wie eine Ersatz-Familie und ein Zuhause. Auch deshalb fiel ihr die Rückkehr vier Jahre nach Kriegsende nach Deutschland sehr schwer. Von ihren leiblichen Eltern hatte sie sich durch die zehnjährige Trennung völlig entfremdet, berichtet Barnett. Ihre Eltern hatten jedoch schließlich ein Einsehen und so durfte sie nach England zurückkehren. Deutschland besuchte sie von da an nur noch in den Ferien. 

Mit Heidrun Helwig sprach Ruth Barnett außerdem über den Roman "Landgericht" von Ursula Krechel sowie über die Verfilmung des Romans, die Ende Januar und Anfang Februar 2017 im ZDF ausgestrahlt wurde. Der Roman erzählt den Lebensweg der Familie des jüdischen Richters Richard Kornitzer – Vorbild für ihn war der Vater von Ruth Barnett. Während Barnett einige Abweichungen des Romans und des Films von der historischen Familiengeschichte bedauert, bewertet sie jedoch die Tatsache, dass mit dem Roman und dem Film ihrer Familiengeschichte ein Denkmal gesetzt wurde, als sehr positiv. Krechel schickt etwa, ebenso wie der Film, die Figur Richard Kornitzer ins Exil nach Kuba, wo er eine Affäre hat, aus der sogar ein Kind hervorgeht, statt nach Shanghai, wohin ihr Vater Robert Michaelis fliehen musste, und wo die Lebensbedingungen für die Exilanten, die ghettoisiert lebten, ungleich schwieriger waren. 

Die Lesung war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Vereins Criminalium e.V. und der Arbeitsstelle Holocaustliteraturan der JLU Gießen. Nach der Begrüßung durch die Moderatorin Heidrun Helwig sprachen auch Wolfgang Gast vom Criminalium und Markus Roth von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur jeweils einige einführende Worte. 

Das Buch "Nationalität. Staatenlos" gibt es im Buchhandel
oder bei der Arbeitsstelle Holocaustliteratur unter http://www.holocaustliteratur.de/deutsch/Kontakt/.

Der Gießener Anzeiger stellte am 11. Februar 2017 in einem ausführlichen Artikel ebenfalls die Lebenserinnerungen von Ruth Barnett vor, zum Artikel gelangen Sie hier.



Drucken


TOP
Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto-Behaghel-Str. 10 B / 1 · D-35394 Gießen · Deutschland
arbeitsstelle.holocaustliteratur@germanistik.uni-giessen.de