am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Exkursion Gedenkstätte Buchenwald

15.07.2015

Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen und Lehrerin des Gymnasiums Johanneum in Herborn bildeten gemeinsam Teamer für Gedenkstättenfahrten aus  

Gruppenbild
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Insgesamt 26 Studierende konnten im Juli an einer viertägigen Exkursion in die Gedenkstätte Buchenwald teilnehmen. Im Rahmen des Seminars zum Thema „Literatur und Gedenkstätten: das Lager Buchenwald“ am Institut für Germanistik der JLU Gießen unter der Leitung von Hon.-Prof. Dr. Sascha Feuchert (Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur) und Kristine Tromsdorf (Studiendirektorin und stellvertretende Schulleiterin des Johanneums Herborn) wurden die Teilnehmer, die überwiegend Lehramtsstudenten waren, zu Teamern von Gedenkstättenfahrten ausgebildet. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausbildung lag dabei auf dem Einsatz von Werken von Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald.

Der Exkursion, die durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung sowie durch die Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich gefördert wurde,  gingen zwei Wochenendblockseminare voraus, in denen die Studierenden zunächst an die Arbeit in der Gedenkstätte herangeführt wurden. Neben der Rekonstruktion der Geschichte und der Funktion des Konzentrationslagers Buchenwald stand hierbei insbesondere auch die Diskussion um die Bedingungen und Möglichkeiten der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Textzeugnissen von Überlebenden im Rahmen einer Gedenkstättenfahrt mit Schulklassen im Vordergrund. Erste pädagogisch-didaktische Konzepte, Ansätze und Herausforderungen konnten so intensiv diskutiert werden.

In der Gedenkstätte erhielten die Studierenden zunächst Führungen durch das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Durch die Lektüre von Textzeugnissen über das KZ Buchenwald wurde ein beispielhafter Zugang zur Geschichte des Lagers anhand individueller Schicksale skizziert. Bei der Begehung wurde auch immer wieder deutlich, wie stark sich der Alltag der Häftlinge von dem der SS-Wachmannschaften unterschied, die sich nach getaner Arbeit mit Freizeitvergnügungen unterhielten. Hiervon zeugen bis heute die Relikte eines Bärenzwingers, der Teil eines Zoos ist, den die SS 1938 wenige Schritte vom Stacheldraht des Lagers zur Erholung der Wachmannschaften und ihrer Familien erbauen ließ.

Zum Programm gehörten zudem regelmäßige Gruppengespräche in der Jugendbegegnungsstätte der Gedenkstätte Buchenwald. Die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer fanden überdies Gelegenheit, die vielen Programmpunkte einer Gedenkstättenfahrt kennen zu lernen, zu testen und  als zukünftige Lehrkräfte aus pädagogisch-didaktischer Sicht kritisch reflektieren. Hierzu gehörte das Kennenlernen der vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten in der Begegnungsstätte, so etwa die Beschäftigung  mit thematischen Arbeitsblättern und -mappen oder die Einsicht in Kommandanturbefehle in der Bibliothek. Besonders eindrücklich war der Besuch der Restaurierungswerkstatt, in der die Vielzahl der Fundstücke, die bis heute immer wieder bei Arbeiten auf dem Gelände gefunden werden, asserviert und konserviert werden. Eine kleine Gruppe Studierende erhielt die Möglichkeit, ein selbst gewähltes Objekt zu bearbeiten. Eines der Fundstücke war ein kleiner Dominostein – ein Zufallsfund, der in der Nähe des Häftlingskrankenbaus entdeckt wurde und den man vermutlich eher nicht an einem solchen Ort erwarten würde.

Im Rahmen der Gruppensitzungen stellten die Studierenden zudem ihre innerhalb des viertägigen Aufenthalts erarbeiteten Projekte vor, die viele thematischen Schwerpunkte des ehemaligen Lageralltags (z.B. pseudomedizinische Versuche und Zwangsprostitution) aber auch Zusammenhänge zur heutigen bildungspolitischen Arbeit (z.B. Mithilfe von Schülern in der Restaurierungswerkstatt der Gedenkstätte, Umgang und Bedeutung von Gedenkstätten) beleuchteten. Neben diesen inhaltlichen und methodischen Auseinandersetzungen wurden die Gespräche auch genutzt, um über Selbsterfahrungen während des Aufenthalts zu sprechen und diese in der Gruppe gemeinsam zu reflektieren, und die erhaltenen Eindrücke, Emotionen und Gedanken in die eigene Erfahrungswelt einzuordnen und zu verarbeiten.



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