am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Ausstellung und Veranstaltungsreihe ′erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus′ im Zollamtssaal in Frankfurt am Main

16.04.2018

10. April - 17. Mai 2018

Eine Wanderausstellung im Zollamtssaal in Frankfurt am Main und eine begleitende Veranstaltungsreihe rücken vom 10. April bis 17. Mai 2018 die Morde an behinderten und kranken Menschen im Nationalsozialismus in den Blickpunkt. Rund 300.000 Menschen fielen im Nationalsozialismus den Euthanasie-Verbrechen zum Opfer. Eine der Tötungsanstalten war Hadamar im mittelhessischen Hadamar.  Beteiligt an diesen Morden waren viele Ärzte und Psychiater. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) setzte sich in der Nachkriegszeit mit den Verstrickungen ihres Berufszweiges in die nationalsozialistischen Verbrechen jedoch zunächst nicht auseinander. Erst in den achtziger Jahren ging der Frankfurter Journalist Ernst Klee mit seinen Recherchen zu den Opfern der Euthanasie an die Öffentlichkeit. Zur gleichen Zeit begann auch das Psychiatrische Krankenhaus in Hadamar mit der Aufarbeitung und dem Gedenken an die Opfer. Erst im Jahr 2009, fast 70 Jahre nach Kriegsende, bat der Präsident des DGPPN Frank Schneider im Namen der Fachgesellschafter die überlebenden Opfer und Hinterbliebenen um Entschuldigung.

Die Wanderausstellung  "erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus", die der Arbeitskreis Zwangssterilisation und "Euthanasie" Frankfurt/Main in Kooperation mit der Akademie Rabanus Maurus, der Arbeitsgemeinschaft Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten und der Psychiatrischen Universitätsklinik präsentiert, ist im Rahmen der Aufarbeitungsbemühungen der Fachgesellschaft DGPPN entstanden. Seit ihrer erstmaligen Eröffnung im Bundestag im Jahr 2014 wurde sie an mehr als 30 Orten in Deutschland und im Ausland gezeigt. Sie beschäftigt sich insbesondere mit den Opfern der Euthanasie und geht des Weiteren der Frage nach, wie sich das menschenverachtende Denken gegenüber Menschen mit Behinderungen auch nach dem Krieg fortsetzte und wie beteiligte Mediziner ohne jegliche persönlichen und beruflichen Konsequenzen ihren Beruf weiter ausüben konnten.

Nähere Informationen zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm finden Sie hier.


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