am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Am 4. November 2019 wäre Ernst-Ludwig Chambré 110 Jahre alt geworden – die AHL erinnert an den Gründer der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich

04.11.2019

4. November 2019

Heute, am 4. November 2019, wäre Ernst-Ludwig Chambré, auf den die gleichnamige Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich zurückgeht, 110 Jahre alt geworden. Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur möchte dies zum Anlass nehmen, um an Ernst-Ludwig Chambré zu erinnern und ihm zu gedenken. Denn ohne ihn und die durch ihn 1997 gegründete Stiftung, die seit ihrem Bestehen die AHL ganz entscheidend und dauerhaft unterstützt, wäre die Existenz der Arbeitsstelle in der jetzigen Form gar nicht möglich.

Ernst-Ludwig Chambré wurde am 4. November 1909 in Lich geboren. Dort war seine sephardische Familie, zu der außer dem Vater Max und der Mutter Emilie auch die beiden Schwestern Henriette und Anne-Marie gehörten, seit dem 18. Jahrhundert ansässig und betrieb ein Manufakturwarengeschäft und eine kleine Privatbank. Ernst-Ludwig besuchte die Volksschule in Lich und studierte nach dem Abitur 1929 Jura in Gießen, Frankfurt und Berlin. 

Eine Woche nach der Reichstagswahl vom März 1933 kam es in Lich zu einem Pogrom, bei dem die Licher SA-Männer die dort lebenden jüdischen Familien überfielen und einige Familienväter folterten. Max Chambré wurden beide Kniescheiben zertrümmert, er konnte nie wieder ohne Hilfe gehen. Ernst-Ludwig Chambré entkam diesem Pogrom nur, weil er sich an diesem Tag nicht in Lich aufhielt. Er floh zunächst nach Belgien und später nach Frankreich und von dort nach Spanien und Portugal, von wo er nach Palästina entkam. 1947 konnte er mit seiner Ehefrau – er hatte zwischenzeitlich geheiratet – in die USA auswandern. Seine gesamte Familie wurde jedoch in Auschwitz ermordet. Seit 1951 versuchte Ernst-Ludwig Chambré vergeblich Wiedergutmachungsleistungen für das Licher Vermögen seiner Eltern zu erhalten. 

1987 recherchierten Schülerinnen und Schüler der Licher Gesamtschule auf Initiative ihres Lehrers Dr. Klaus Konrad-Leder die Zeit des Nationalsozialismus in ihrer Stadt. Anlass hierfür waren Nazi-Schmierereien an einer Kirche des Ortes. Es gelang ihnen, Kontakt zu Ernst-Ludwig Chambré herzustellen, der sich im Lauf der nächsten Jahre festigte und vertiefte. 1997 – wenige Monate nach Ernst-Ludwig Chambrés Tod am 20. Juni 1996 – erfolgte die Gründung der nach ihm benannten Stiftung, deren Zielsetzungen noch zu seinen Lebzeiten mit ihm gemeinsam festgelegt worden waren und die er großzügig finanziell ausgestattet hat. Geschäftsführender Direktor der Stiftung und auch Mitbegründer der AHL war Dr. Klaus Konrad-Leder, der 2014 verstarb.

Eine ausführliche Biografie Ernst-Ludwig Chambrés finden Sie hier und weitere Informationen zur Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung hier.


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