am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Bericht: Fachtag Rassistische Gewalt gegen Geflüchtete - What′s your response?! Empowerment und Handlungsmöglichkeiten für Betroffene und Helfer

06.11.2017

3. November 2017

Am Freitag, den 03.11.2017, fand der Fachtag "Rassistische Gewalt gegen Geflüchtete - What`s your response?! Empowerment und Handlungsmöglichkeiten für Betroffene und Helfer*innen" in Frankfurt am Main statt, an dem auch zwei Mitglieder der Arbeitsstelle Holocaustliteratur teilnahmen. Die Veranstaltung wurde von response (Beratung für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt) und der Antidiskriminierungsberatung, beide in Trägerschaft der Bildungsstätte Anne Frank in Kooperation mit dem Hessischen Flüchtlingsrat organisiert. Der Ort der Veranstaltung (HoRsT im Frankfurter Gallusviertel) ist kein historisch unbelasteter Ort. Auf dem Gelände der Adler Werke wurde im August 1944 ein Konzentrationslager mit dem Decknamen "Katzbach" in Betrieb genommen. Etwa 1600 Häftlinge mussten hier Zwangsarbeit leisten, nur wenige von ihnen überlebten. In der Nachkriegszeit versuchte man das Geschehene schnell zu verdrängen. Weder wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, noch gab es eine Entschädigung für die Opfer. Erst in den 1990er Jahren wurde auf Initiative "Gegen das Vergessen" durch den Verein "Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim" eine Gedenktafel errichtet, mit dem Ziel, die Geschehnisse in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.

Der Fachtag begann am Vormittag mit einem Vortrag von Harpreet Cholia zum Thema "Rassistische Gewalt gegen Geflüchtete: what are we up against?". Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion mit Mitgliedern des Hessischen Flüchtlingsrates, Refugees for Change, Mekri e.v. und response aus Hessen. Deutlich wurde, dass die Zahl der Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte in den vergangenen Jahren merklich gestiegen ist. Zwar sei der Rassismus kein neues Phänomen, er sei jedoch unmaskierter und salonfähiger geworden. Insbesondere eine Form des Alltagsrassismus werde vermehrt sichtbar: Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit müssten wir heute viele rechte Äußerungen hinnehmen, die jedoch gegen andere Menschenrechte verstoßen. Dies sei eine große Herausforderung, der wir uns in Zeiten der medialen Entwicklung stellen müssten. Auf der anderen Seite gäbe es jedoch auch über 6 Millionen ehrenamtliche Helfer und Helferinnen in Deutschland, die sich für eine Willkommenskultur stark machen: "Wir sind keine Minderheit".
Diese Polarisierung zeige, dass Menschen sich positionieren. Wichtig sei es deshalb, sich auszutauschen und Vernetzungen anzustreben, um weitere Handlungsoptionen und –alternativen aufzuzeigen. "Es ist mehr als machbar und absolut notwendig, Menschen zu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen", so Harpreet Cholia.

Am Nachmittag wurden Workshops angeboten, die sich mit unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten beschäftigten. Einer der Workshops wurde speziell für Betroffene von Rassismus angeboten, in dem es darum ging, sich auszutauschen und einen Umgang mit dem Thema zu finden. Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit rechten und rassistischen Äußerungen und mit den verschiedenen Möglichkeiten, auf solche zu reagieren. Der dritte Workshop sollte Handlungsmöglichkeiten für Engagierte im Alltag aufzeigen.

Der Fachtag endete mit einem Abschlussplenum, indem erneut dazu aufgefordert wurde, Solidarität zu zeigen und Empowerment anzustreben, um weiterhin eine Willkommenskultur zu leben und den Kontinuitäten von rechter- und rechtspopulistischer Gewalt entgegenzuwirken.


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