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Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Pressestimmen zum Getto-Chronik-Projekt


Jüdische Zeitung, Januar 2008: Der Krepierwinkel Europas

Jüdische Zeitung, Januar 2008: Alles, was geblieben ist....

Die Furche, 14.02.2008: Umweg in den Tod

Frankfurter Rundschau, 15.02.2008: Protokoll eines langsamen Todes

Die Welt, 01.03.2008: Verzweiflung und Selbstbehauptung

Bild, 13.03.2008: Der Chronist des Grauens

H-Soz-u-Kult, 14.03.2008: Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt

Wetzlarer Neue Zeitung, 27.04.2008: Fenster zum Alltag der Opfer öffnen

DAAD Letter, Nr. 1, April 2008: Erschütterndes Dokument

Damals 5/2008: Chronik des Grauens

Gießener Anzeiger, 24.04.2008: Erschütterndes Dokument der menschlichen Grausamkeit

Rheinische Post, 20.12.2007: Die Chronisten des Ghettos

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007, Literaturbeilage

Gießener Anzeiger, 3.11.2007: Vom Hoffen und Sterben im „Krepierwinkel“

Liboriusblatt. Wochenzeitschrift für die katholische Familie, 11.03.2007: Tägliches Bild des Leidens

Gießener Allgemeine Zeitung, 03.03.2007: Chronik des Gettos Lodz kommt im Herbst

Augsburger Allgemeine Zeitung, 16.12.2006: Die tägliche Chronik als Überlebensspiel

Gießener Anzeiger, 18.11.2006: Mitarbeiterin an "unvorstellbarem Projekt"

Frankfurter Rundschau, 24.05.2006:Arbeitsstelle Holocaustliteratur: Universität Lodz ehrt Gießener Wissenschaftler

Gießener Anzeiger, 19.05.2006: "Nachgereichte Grabsteine" für die Opfer

Gießener Anzeiger, 10.05.2006: Hohe Auszeichnung für Herausgeber der Ghetto-Chronik

Neue Zürcher Zeitung, 19./20.03.2005: Die letzten Tage des Lodzer Ghettos

Berliner Zeitung, 31.01.2005: Wird man uns in Ruhe lassen?

Süddeutsche Zeitung, 27.01.2005: Die Juden von Lodz

Gegen Vergessen – für Demokratie 43/2004:
Letzte Tage. Die Lódzer Getto-Chronik Juni/Juli 1944


Das Parlament, 2004: Vom Leben und Sterben im Getto

Jüdische Allgemeine, 18.11.2004: Im Krepierwinkel Europas

Frankfurter Rundschau, 10.09.2004: Gießener Wissenschaftler entziffern Lodzer Chronik

AP-Meldung, 02.09.2004: Literatur & Lesen - Vitrine Sachbuch: Flaschenpost aus der Zeit der Vernichtung

Gießener Anzeiger, 28.08.2004: "Unser einziger Weg ist Arbeit"

Gießener Anzeiger, 02.08.2004: "Selbstmord am Drahtzaun"

Gießener Anzeiger, 03.07.2004: „Es gab keine Gedenkstätte, kein Mahnmal, keine Inschrift"

Wetzlarer Neue Zeitung, 17.11.2003: Herausragendes Partnerschaftsprojekt: Chronik aus Getto

Gießener Anzeiger, 14.12.2002: "Wie ein Märchen, ich kann das alles fast nicht glauben"

Gazeta Wyborcza Lodz, 27.11.2002: Ein nach 60 Jahren veröffentlichtes Buch

Ddp-Meldung, April 2002: Ein Dokument des Grauens - Gießener Arbeitsgruppe veröffentlicht

Gießener Anzeiger, 17.05.1999: Ausstellung über das ehemalige Ghetto von Lódz

Gießener Allgemeine, 14.05.1999: Wo der Mensch zum Unmensch geworden ist

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.1999: Fotoausstellung zu Ghetto


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Aus: Frankfurter Rundschau, 10.09.2004:
Gießener Wissenschaftler entziffern Lodzer Chronik

Die Aufzeichnungen sind ein Zeugnis vom Leben im vor 60 Jahren aufgelösten Getto, in dem bis zu 160 000 Menschen inhaftiert waren

"Selbstmord am Drahtzaun" lautet eine Überschrift des Tagesberichts vom 17. Juli 1944 aus dem Getto Lodz. Es ist eine von vielen Nachrichten, die auf insgesamt 2000 eng bedruckten Seiten Auskunft über Sterbefälle, Festnahmen oder den Bevölkerungsstand. Gießener Wissenschaftler entziffern die zum Teil schwer lesbaren Texte.

Gießen, 9. September - EPD - Gemeinsam mit deutschen Wissenschaftlern und der Universität und dem Staatsarchiv in Lodz arbeitet Sascha Feuchert, stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität in Gießen, seit vier Jahren an der Übersetzung der erhaltenen Texte des zweitgrößten polnischen Gettos. 2006 soll die Getto-Chronik in den Originalsprachen Deutsch und Polnisch erscheinen.

"Die Berichte gehören zu den bemerkenswertesten Zeugnissen des Holocaust", sagt Feuchert. In solcher Ausführlichkeit und dazu tagtäglich sei noch nie das Leben eines Gettos beschrieben worden. Nur ein Viertel der Dokumente sei bisher auf Englisch und in einer wissenschaftlich angreifbaren Fassung publiziert worden.

In den vergangenen 60 Jahren habe die Geschichte von Lodz leider kaum Beachtung gefunden, bedauert der Germanist. Erst jetzt habe es eine Gedenkveranstaltung in Lodz, zu der etwa 200 Überlebende des Gettos eingeladen waren. Dabei seien bis zu 300 000 Menschen aus dem Getto vor allem ins Vernichtungslager Kulmhof deportiert worden. "Etwa 45 000 starben im Getto, in dem zeitweise 160 000 Menschen inhaftiert waren." Durch die Übersetzung hoffen die Wissenschaftler, das öffentliche Interesse an der Geschichte des Gettos zu wecken.

Schreiben war lebensgefährlich

Alle zwei Wochen trifft sich das deutsche Team, bestehend aus Historikern, Sprach- und Literaturwissenschaftlern, und bearbeitet die zum Teil kaum leserlichen und auf dünnem Papier gedruckten Dokumente. "Manchmal sind die Berichte nicht vollständig oder es gibt nur Durchschläge", berichtet Feuchert. Auch müsse man immer wieder die Umstände erläutern, unter denen die Chronik entstand. Schließlich sei das Schreiben im Getto lebensgefährlich gewesen und die "Schere im Kopf" habe zu seltsamen Formulierungen geführt.

So entpuppe sich beispielsweise der "Selbstmord am Drahtzaun" als Erschießung durch einen Schutzpolizisten. "Deshalb ist es wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen", sagt Feuchert. Mit enormen Aufwand habe das Archiv des Judenrates von 1940 bis 1944 die Ereignisse im Getto aufgezeichnet, "verfasst wie eine Zeitung, aber doch ohne Leser." Rund ein Dutzend Autoren, darunter der tschechische Schriftsteller Oskar Singer, hätten für die Nachwelt geschrieben, aber selbst den Holocaust nicht überlebt.

Dass die Berichte erhalten blieben, habe man dem Getto-Briefträger Nachman Zonabend zu verdanken. Er wusste von den Berichten und habe diese bei der Auflösung des Gettos im August 1944 in einen stillgelegten Brunnen geworfen, erläutert Feuchert. Zonabend barg die Dokumente nach dem Krieg und stellte sie den Archiven zur Verfügung. Das Chronik-Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, kostet 225 000 Euro.

Ein "Pilotband" über die letzten Monate des Gettos, Juni und Juli 1944, ist im Göttinger Wallstein-Verlag unter dem Titel "Letzte Tage. Die Lodzer Getto-Chronik Juni/Juli 1944" zum Preis von 19 Euro erschienen. 2006 plant der Verlag die Gesamtedition.


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Aus: Gießener Anzeiger, 02.08.2004:
"Selbstmord am Drahtzaun"

Zum 60. Jahrestag der Liquidation des Gettos Lodz erscheinen Auszüge der Chronik – Wissenschaftler aus Gießen und Polen

Gießen (epd). "Selbstmord am Drahtzaun" lautet eine Überschrift des Tagesberichts vom 17. Juli 1944 aus dem Getto Lodz (Litzmannstadt). Es ist eine von vielen Nachrichten, die auf insgesamt 2000 eng bedruckten Seiten Auskunft über Sterbefälle, Festnahmen, Einweisungen und den Bevölkerungsstand des zweitgrößten polnischen Gettos aus den Jahren 1940 bis 1944 geben. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Deutschland sowie der Universität und des Staatsarchivs in Lodz arbeitet Sascha Feuchert, stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität in Gießen, seit vier Jahren an der Übersetzung der erhaltenen Texte. 2006 soll die Getto-Chronik in den Originalsprachen Deutsch und Polnisch erscheinen.

Zum 60. Jahrestag der Liquidation des Gettos im August werden die Monate Juni und Juli 1944 veröffentlicht. "Die Berichte gehören zu den bemerkenswertesten Zeugnissen des Holocaust", sagt Feuchert. In solcher Ausführlichkeit und dazu tagtäglich sei noch nie das Leben eines Gettos beschrieben worden. Nur ein Viertel der Dokumente sei bisher auf Englisch und in einer wissenschaftlich angreifbaren Fassung publiziert worden.

In den vergangenen 60 Jahren habe die Geschichte von Lodz leider kaum Beachtung gefunden, bedauert der Germanist. Erst jetzt gebe es eine Gedenkveranstaltung in Lodz, zu der etwa 200 Überlebende des Gettos eingeladen sind. Dabei seien bis zu 300 000 Menschen aus dem Getto vor allem ins Vernichtungslager Kulmhof deportiert worden. "Etwa 45 000 starben im Getto, in dem zeitweise 160 000 Menschen inhaftiert waren." Durch die Übersetzung hoffen die Wissenschaftler, das öffentliche Interesse an der Geschichte des Gettos zu wecken.

Alle zwei Wochen trifft sich das deutsche Team, bestehend aus Historikern, Sprach- und Literaturwissenschaftern, und bearbeitet die zum Teil kaum leserlichen und auf dünnem Papier gedruckten Dokumenten. "Manchmal sind die Berichte nicht vollständig oder es gibt nur Durchschläge", berichtet Feuchert.

"Schere im Kopf"

Auch müsse man immer wieder die Umstände erläutern, unter denen die Chronik entstand. Schließlich sei das Schreiben im Getto lebensgefährlich gewesen und die "Schere im Kopf" habe zu seltsamen Formulierungen geführt.

So entpuppe sich beispielsweise der "Selbstmord am Drahtzaun" als Erschießung durch einen Schutzpolizisten. "Deshalb ist es wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen", sagt Feuchert. Mit enormen Aufwand habe das Archiv des Judenrates von 1940 bis 1944 die Ereignisse im Getto aufgezeichnet, "verfasst wie eine Zeitung, aber doch ohne Leser." Rund zwölf Autoren, darunter der tschechische Schriftsteller Oskar Singer, hätten für die Nachwelt geschrieben, aber selbst den Holocaust nicht überlebt. Dass die Berichte erhalten geblieben sind, habe man dem Getto-Briefträger Nachman Zonabend zu verdanken. Er wusste von den Berichten und habe diese bei der Auflösung des Gettos im August 1944 in einen stillgelegten Brunnen geworfen, erläutert Feuchert. Zonabend barg die Dokumente nach dem Krieg und stellte sie verschiedenen Archiven zur Verfügung.

Das Chronik-Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, kostet rund 225 000 Euro. Der erste Teil der Chronik über die Monate Juni und Juli 1944 erscheint im August im Göttinger Wallstein-Verlag unter dem Titel "Letzte Tage. Die Lodzer Getto-Chronik Juni/Juli 1944".


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Aus: Wetzlarer Neue Zeitung, 17.11.2003:
Herausragendes Partnerschaftsprojekt: Chronik aus Getto

Gießen (gk). Seit 25 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Justus-Liebig-Universität in Gießen und der polnischen Stadt Lodz. Das Jubiläum feierten beide Seiten zuletzt in Gießen.

Fast alle Fachbereiche und Fakultäten beider Hochschulen sind nach Angaben aus Gießen inzwischen an der Zusammenarbeit beteiligt, in deren Rahmen pro Jahr etwa 30 Wissenschaftler und Studierende jeder Seite ausgetauscht werden. Gemeinsame Forschungs- und kulturelle Projekte sowie Begegnungen, Tagungen und internationale Konferenzen werden regelmäßig durchgeführt. Auch Europa-Programme spielen inzwischen bei der Partnerschaft eine wichtige Rolle, was laut Liebig-Universität wieder zu einer weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Universitäten führt. Eines der herausragenden Projekte dieser Partnerschaft ist die kommentierte Veröffentlichung der Lodzer Getto-Chronik in polnischer und deutscher Sprache ,die kurz vor ihrem Abschluss steht und einen sensiblen Abschnitt polnisch-deutscher Geschichte aufarbeitet.

Beim Festakt sind mit dem ehemaligen Rektor Professor Stanislaw Liszewski, der ehemaligen Prorektorin Professor Krystyna Piotrowska-Marczak und dem Partnerschaftsbeauftragten Professor Zenon Weigt drei Vertreter aus Lodz mit der Justus-Liebig-Medaille der Giessener Hochschule für ihre Verdienste um die Partnerschaft ausgezeichnet worden.


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Aus: Gießener Anzeiger, 14.12.2002:
"Wie ein Märchen, ich kann das alles fast nicht glauben"

Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU stellt polnische Ausgabe mit Texten von Oskar Singer bei Festakt in Lodz vor –-80-jähriger Sohn als Ehrengast

Gießen. "Man kann mit Fug und Recht sagen: Der heutige Abend ist einer der größten Erfolge der Arbeitsstelle Holocaustliteratur. Er wird für uns alle unvergesslich bleiben" - Prof. Erwin Leibfried, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen, war sichtlich bewegt über die enorme Anteilnahme und das feierliche Programm, die in Lodz (Polen) die offizielle Präsentation der polnischen Ausgabe mit Texten von Oskar Singer begleiteten.

Zwei Jahre lang hatten deutsche und polnische Wissenschaftler unter der Leitung der Giessener Arbeitsstelle an der Edition der Reportagen und Essays von Oskar Singer gearbeitet, die über das "Leben" im Getto Lodz (1941-1944) berichten. Die Originale der Texte befanden sich hauptsächlich im Staatsarchiv Lodz, einige wenige wurden durch die Herausgeber auch in New York und Jerusalem ausfindig gemacht. Im Frühjahr war bereits eine deutsche Ausgabe unter dem Titel "Im Eilschritt durch den Getto-Tag..." im Berliner Philo-Verlag erschienen. Und nun konnte die polnische Ausgabe fertiggestellt und öffentlich präsentiert werden. Die Vorstellung des polnischen Bandes geriet in Lodz zu einem Großereignis, das es nicht nur bis in die Abendnachrichten des polnischen Fernsehens schaffte, sondern landesweit in den Medien beachtet wurde: Über 300 geladene Gäste waren ins Poznanski-Palais gekommen, einer heute als Stadtmuseum dienenden riesigen Villa eines Großindustriellen, um das Erscheinen entsprechend zu würdigen. Zahlreiche Redner überbrachten Grußworte und dankten im besonderen Maße den Gießener Wissenschaftlern, die vor rund zwei Jahren das Projekt angestoßen hatten.

Ministerin Prof. Daria Nalecz, zuständig für die polnischen Staatsarchive, würdigte das Projekt als einen herausragenden Beitrag auch zur deutsch-polnischen Verständigung und betonte, dass das Team, dem auf deutscher Seite neben Prof. Leibfried Sascha Feuchert und HD Dr. Jörg Riecke angehören, für zukünftige Vorhaben "die volle Unterstützung der polnischen Regierung" genieße. Der Präses der jüdischen Gemeinde von Lodz, M. Keller, betonte in seiner Ansprache die Wichtigkeit der Holocaustliteratur. "Solche Schriften erzählen uns nicht nur über die Ereignisse, sie sind auch eine wichtige persönliche Hinterlassenschaft der Verfasser". Er sei besonders beeindruckt, dass "ausgerechnet Menschen mit deutschem Pass nach Lodz kommen, um uns bei unserer schwierigen Erinnerungsarbeit zu helfen." Die Direktorin des Lodzer Staatsarchivs, Urszula Zarzycka-Sutter, dankte in ihrem Grußwort vor allem Sascha Feuchert, dem stellvertretenden Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, der mittlerweile "zu einem Freund und echten Lodzer" geworden sei. "Er ist die Seele des Teams; ohne ihn wäre das alles niemals entstanden."

Alle Redner dankten auch den Sponsoren, ohne die ein solches binationales Projekt nicht möglich gewesen wäre. Die RAG in Essen hatte nicht nur die Übersetzungskosten übernommen, sondern auch die Ausrichtung des festlichen Abends finanziert. Und die Giessener Hochschulgesellschaft hatte einen immens wichtigen Teil des Abends ermöglicht: Sie ermöglichte es nämlich, dass Ervin Singer (London), der Sohn des Verfassers, der mit seinem Vater im Lodzer Getto und in Auschwitz gefangen war, an der Veranstaltung teilnehmen konnte. "Für mich ist das wie ein Märchen, ich kann das alles fast nicht glauben", bekannte Ervin Singer, dem man denn auch die Mischung aus Freude und ungläubigem Staunen im Gesicht ablesen konnte. Prof. Leibfrieds abschließender Dank galt somit Ervin Singer, der mit seinen 80 Jahren die Reise auf sich genommen hatte, und der Hochschulgesellschaft, besonders deren Vorsitzendem Prof. Bernd Hoffmann.


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Aus: Gazeta Wyborcza Lodz, 27.11.2002
Ein nach 60 Jahren veröffentlichtes Buch

Im Eilschritt durch das Getto...

Eine Sammlung von Reportagen und Essays aus dem Lodzer Getto ist erschienen. Ihr Autor ist Oskar Singer aus Prag, der mit einer Gruppe tschechischer Juden im Jahre 1941 nach Lodz kam. Heute um 19 Uhr findet im Museum für Stadtgeschichte die Präsentation des Buches "Im Eilschritt durch das Getto" statt, das von polnischen und deutschen Wissenschaftlern gemeinsam herausgegeben wurde.

JOANNA PODOLSKA: Wie hat man - nach nahe 60 Jahren - Singers Essays entdeckt?

SASCHA FEUCHERT, UNIVERSITÄT GIESSEN: Seit zwei Jahren arbeiten wir zusammen mit Kollegen von der Lodzer Universität und vom Staatsarchiv an der Veröffentlichung der "Chronik des Lodzer Gettos". Während der Arbeiten sind wir auf eine unscheinbare Mappe mit dem Titel "Reportagen" gestoßen. Darin waren Texte von Singer, einem der Hauptautoren der "Chronik", der ab 1942 der Leiter des ganzen Unternehmens war. Es waren Artikel, Essays und bisher nirgendwo publizierte, aber mit Sicherheit mit dem Gedanken an künftige Leser verfasste Notizen. Sie betrafen das Leben im Getto. Wir haben festgestellt, dass sie äußerst interessant sind und beschlossen, sie als Prolog zur Veröffentlichung der "Chronik" herauszugeben. Die deutsche Ausgabe ist vor einigen Monaten erschienen, jetzt ist die polnische Version des Buches fertig.

Wer war Oskar Singer?

- Er schloss ein Studium der Rechtwissenschaften in Wien ab, arbeitete jedoch als Journalist in Prag. Er schrieb für bekannte Zeitungen, wie etwa das "Prager Tageblatt", den "Montag" oder die "Selbstwehr". Im Jahre 1935 gab er ein antifaschistisches Theaterstück heraus, in dem einer der Protagonisten vorausahnt, wie das Schicksal der Juden in der Zeit des Krieges sein wird. Im Jahre 1941 wurde Singer zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern ins Getto Litzmannstadt deportiert. Es ist ihm gelungen, in das Team aufgenommen zu werden, das die "Chronik" verfasste. Im August 1944 wurde er mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert. Er starb wahrscheinlich bald nach dem Eintreffen in Brzezinka (Birkenau). Seine Kinder überlebten den Krieg. Die Tochter Ilse wohnt in Israel, Erwin Singer in Großbritannien. Er kommt zum ersten Mal nach Lodz anlässlich der heutigen Präsentation des Buches seines Vaters.

Sind Singers Essays eine wertvolle Quelle zur Erforschung des Lebens im Lodzer Getto?

- Mal ist er ein "rasender", von täglichen Ereignissen im Getto berichtender Journalist. Ein anderes Mal stellt er philosophische Überlegungen zum Zusammentreffens der Juden aus Ost- und Westeuropa im Getto an. Seine Essays und Bemerkungen sind wertvoll besonders auch im Hinblick auf unser eigenes Wissen, das wir von den Ereignissen haben. Zweifellos sind seine Schriften eine wertvolle Quelle zu dieser Periode in der Geschichte von Lodz.


Im Eilschritt durch das Getto..

Oskar Singer, "Reportagen und Essays aus dem Lodzer Getto", übersetzt von Krystyna Radziszewska, Einleitung Sascha Feuchert
Notizen zur Sprache der Reportagen und Essays Jörg Riecke, Genese und Geschichte des Lodzer Gettos: Julian Baranowski
Redakteure der Ausgabe: Erwin Leibfried, Krzysztof Wozniak
Herausgeber: Staatsarchiv in Lodz, Oficyna Bibliofilow, Lodz 2002.

Joanna Podolska
(aus dem Polnischen von Joanna Ratusinska M.A.)


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Aus: ddp-Meldung, April 2002
Ein Dokument des Grauens - Gießener Arbeitsgruppe veröffentlicht

Chronik des Lodzer Ghettos - Erster Band zur Leipziger Buchmesse

Von ddp-Korrespondent Klaus-J. Frahm

Gießen (ddp-hes). Beinahe wäre sie in Vergessenheit geraten. Doch nun wollen sie deutsche und polnische Wissenschaftler der Öffentlichkeit zugänglich machen: Die Chronik des jüdischen Ghettos von Lodz. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe redigieren Germanisten der Universitäten in Gießen und Lodz seit drei Jahren die rund 2000 Seiten umfassende Chronik. Der erste Band erscheint zur Leipziger Buchmesse, die am 21. März beginnt.

Die Verfasser der Chronik waren Journalisten, die aus dem Deutschen Reich und den besetzten Gebieten in das Ghetto gebracht worden waren. Zwischen 1941 bis 1944 schrieben sie täglich Berichte, Stimmungsbilder und Nachrichten über das Leben in dem Stadtteil, in dem bis zu 200.000 Menschen eingesperrt waren.

Am 14. August 1943 beschrieb der Journalist Oskar Rosenfeld die prekäre Lage im Ghetto: "Der Hunger setzte alle Leidenschaften in Brand. Die Obstbäume an den Rändern der umzäunten Gärten hatten von Diebshänden viel zu leiden. Die Gemüsebeete mussten Tag und Nacht bewacht werden. Der Hunger trieb die Menschen wie die Hyänen ins Freie, wo vielleicht etwas zu erwischen war."

Der aus Wien nach Lodz deportierte Rosenfeld arbeitete bei der statistischen Abteilung, die eigentlich nur die Aufgabe hatte, die Bevölkerungszahl, den Krankenstand, die Deportationen und Todesfälle zu erfassen. Durch die Arbeit von Rosenfeld undseinen Kollegen entwickelte sich das Archiv jedoch zu einem Dokumentationszentrum. Eine "Schatzkammer fürzukünftige Gelehrte, die das Leben einer jüdischen Gemeinschaft in einer ihrer schwersten Zeiten studieren" sollte es sein, wie es Henryk Neftalin, der Gründer der Chronik, 1942 formulierte.

Nach der Liquidierung des Ghettos am 30. Juli 1944, als 60 000 Menschen nach Auschwitz deportiert wurden, wäre die Chronik sicher vernichtet worden, hätte nicht der Mut und das Glück eines Einzelnen zu ihrer Rettung beigetragen. Der Briefträger Nachman Zonnabend blieb zusammenmit etwa 800 anderen Bewohnern des Ghettos zurück, als die SS die geräumten Wohnungen plündert den Dokumentenschatz und versteckte ihn in einem ausgetrockneten Brunnen.

Nach dem Krieg kam Zonnabend, der durch glückliche Umstände überlebt hatte, zurück und barg die Chronik. Er brachte sie ins polnische Staatsarchiv, wo die Texte jedoch unbeachtet viele Jahre verstaubten, bis die Arbeitsgruppe Holocaustliteratur von ihnen erfuhr. "Die seit Jahren bestehenden guten Beziehungen der germanistischen Fachbereiche der Universitäten Gießen und Lodz waren die ideale Voraussetzung für die Realisierung der Veröffentlichung, die schon von den Autoren gewollt war", sagt Sascha Feuchert, der stellvertretende Leiter des Projektes. Neben ihm arbeiten der Oberkustos des Staatsarchivs Lodz, Julian Baranowski sowie die Germanisten und Historiker Krystyna Radziszewska, Krzysztof Wozniak, Erwin Leibfried und Jörg Riecke an dem Projekt.

Der erste vor kurzem erschienene Band trägt den Titel "Im Eilschritt durch den Getto-Tag" und enthält die Reportagen von Oskar Singer. Singer, ein vor dem Einmarsch der Deutschen sehr populärer Prager Journalist, wurde zusammen mit seiner Frau Magarethe und seinen Kindern Ilse und Erwin am 26.10.1941 ins Lodzer Ghetto deportiert. Er begann nach wenigen Tagen die Arbeit bei der statistischen Abteilung, wo er bis August 1944 blieb. Ein letztes Mal gesehen wurde Singer, als er in Birkenau aus dem Deportationszug stieg. Vermutlich wurde er am selben Tag noch ermordet.

Die Bedeutung der Originaltexte aus Lodz liegt für den Sprachwissenschaftler Riecke vor allem darin, dass die Niederschrift nicht durch rückblickende Erinnerung gefiltert wurde. "Nachträglich notierte Erlebnisse sind immer dramatisiert und sprachlich auf einen aktuellen Stand gebracht", sagt Riecke und fügt hinzu: "Die Benutzung von Begriffen wie Menschenmaterial oder Wirtsvolk der Juden wäre in einer Rückschau nicht möglich. Damals ignorierten die Autoren den Bedeutungswandel solcher Begriffe durch die Nazis".

Riecke ist einer der wenigen Sprachwissenschaftler, die sich mit der Sprache der Opfer beschäftigen. Besonders befindet er die vielen humoristischen Passagen in Singers Texten und die Tatsache, dass der Journalist offenbar ignorierte, dass es Nazis gab. Die Forscher hoffen, ihre Edition in etwa 18 Monaten vollständig zu haben. Finanziert wird das Projekt durch Drittmittel und durch die Licher Ernst Ludwig Chambré Stiftung. Weitere Sponsoren werden noch gesucht. (www.holocaustliteratur.de) ddp/kjf/ghe


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Aus: Gießener Anzeiger, 17.05.1999:
Ausstellung über das ehemalige Ghetto von Lódz

GIESSEN (sfe). „Erinnern bedeutet, sich zu vergegenwärtigen, wozu der Mensch fähig ist; es bedeutet zu erkennen, was uns ständig bedroht“ – Prof. Erwin Leibfried, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Neuere deutsche Literatur der JLU, eröffnete mit diesen Worten die Ausstellung „Spuren und Zeitzeugen – Das ehemalige Ghetto in Lódz“, die noch bis zum 4. Juni im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek zu sehen ist.

Das Lódzer Ghetto bestand zwischen 1940 und 1944: Es war das erste und letzte Großghetto unter nationalsozialistischer Herrschaft. In Lódz mussten die eingesperrten Menschen systematisch für die deutsche Rüstungswirtschaft arbeiten; in dieses Ghetto wurden im Oktober 1941 zum ersten Mal auch Juden aus Mitteleuropa deportiert. Aus Lódz wurden die ersten Menschen in ein Vernichtungslager verschleppt und ermordet.

Die Ausstellung, die von der Designerin Silke Berg (Hessisches Staatsarchiv Darmstadt) erarbeitet wurde, präsentiert neben Informationen zur Ghettogeschichte und Fotos, die versuchen, Spuren des Ghettos im heutigen Lódz aufzufinden, vor allem ausdrucksstarke Porträts von sechs Zeitzeugen. Nadja Kuhl von der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung in Lich betonte in ihrer Einführung, daß „an diesen Lebensgeschichten in wenigen Sätzen das Ausmaß der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung durch Deutsche augenscheinlich wird“.

Zu den Informationen über die Ghettogeschichte hat Silke Berg Farbdias gestellt, die von der deutschen Ghettoverwaltung in Auftrag gegeben wurden: Dem Fotograf, sagte Nadja Kuhl, sei es darum gegangen, die Effektivität des Ghettos als Produktionsstätte und die Leistung der deutschen Ghettoverwaltung, die Bewohner organisierte und beherrschte, zu dokumentieren. Das Ghetto erscheine auf den Bildern als sauberer, disziplinierter Industriebetrieb, ohne Elend, ohne Erschöpfung, ohne Sterbende. Die Menschen seien eigenartig entrückt, ohne persönliche Regung, oft statisch.

Der Präsident der JLU, Prof. Stefan Hormuth, betonte in seiner Begrüßungsrede, daß Lódz für „uns Giessener wegen der Partnerschaft der beiden Universitäten immer etwas ganz Besonderes ist“. Das Ghetto sei ein schlimmer Teil einer gemeinsamen Geschichte, an die erinnert werden müsse.


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Aus: Gießener Allgemeine, 14.05.1999:
Wo der Mensch zum Unmensch geworden ist

Die Ausstellung „Das Lodzer Getto – Spuren und Zeitzeugen“ ist bis zum 4. Juni während der üblichen Öffnungszeiten in der Universitätsbibliothek zu sehen.

„Die bei solchen Anlässen meist angesagte frohe Stimmung will sich hier nicht einstellen, dagegen bange Erwartung dessen, womit man konfrontiert wird“. Bibliotheksdirektor Dr. Bernhard Friedmann begrüßte zur Eröffnung der Ausstellung „Das Lodzer Getto – Spuren und Zeitzeugen“ im UB-Ausstellungsraum. Mindestens drei Querverbindungen führten zu diesem Thema: Die Universitätspartnerschaft mit der Universytet Lódzki, die Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Giessener Institut für Neuer deutsche Literatur sowie die Kontakte der Diplom-Designerin Silke Berg zur jüdischen Gemeinde der Stadt.

Die gebürtige Laubacherin studierte in Darmstadt und hatte schon einen Bildband über den früheren jüdischen Stadtteil „Getto“ (der Begriff wurde später in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen) in Venedig veröffentlicht, bevor sie 1995 für ihre Abschlußarbeit „Spuren und Zeitzeugen des Gettos in Lodz“ wochenlang in der polnischen Stadt recherchierte. Dabei fand sie Menschen, die Auskunft gaben über ihr Schicksal während der deutschen Gewaltherrschaft, und in Lajb Praszkier den einzigen Überlebenden des Gettos.


Nadja Kuhl vom Vorstand der Ernst-Ludwig-Chambré-Stifung in Lich (benannt nach einem jüdischen Juristen, der 1933 von Lich nach Israel emigrieren musste) berichtete, 1939 hätten in Lodz etwa 233 000 jüdische Bewohner über 30 Prozent der Gesamteinwohnerzahl gestellt und damit die zweitgrößte Gemeinde Europas. Heute lebten dort nur noch wenige alte Menschen unter ärmlichen Bedingungen. Sechs von ihnen hat Silke Berg einfühlsam fotografiert, eindrucksvolle Gesichter in schwarzweißen Portraits, die auf Stellwänden befestigt die jeweilige Lebensgeschichte erzählen.

Vom Veranstalter, dem Institut für Neuere deutsche Literatur (unterstützt von der Licher Stiftung), sprach Prof. Erwin Leibfried: Die Ereignisse, wo der Mensch zum Unmensch geworden sei, machten Erinnerung unerlässlich. Universitätspräsident Prof. Stefan Hormuth, der tags darauf nach Lodz reisen wollte, fand es irritierend, dass in keinem Reiseführer das Getto erwähnt wird.

Dabei wurde dieses wenige Wochen nach dem Überfall auf Polen auf einem Gebiet von nicht einmal 4,2 Quadratkilometern eingerichtet. Zwischen 1940 und 1944 starben hier über 100 000 Menschen im ersten und letzten Großgetto unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Ergänzt wird die Ausstellung durch die zur Zeit lieferbaren Bücher zum Getto Lodz, Fotos des heutigen Stadtbilds und Abzüge von Dias aus der Gettozeit (das Lager wurde von einem NS-Pressefotografen dokumentiert) sowie durch Magazinseiten mit Fotos und Texten zur Geschichte des Ortes.

Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur hat zur Ausstellung eine kleine bibliographische Handreichung erarbeitet, die Werke zum Lodzer Getto verzeichnet. Die Dokumentation der unrühmlichen Vergangenheit bleibt bis zum 4. Juni in der UB, jeweils montags bis samstags zu den üblichen Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer den Spuren der jüdischen Gemeinde Gießen folgen will, dem sei der Bildband “Die Synagoge in Gießen“ (Bergauf-Verlag, Frankfurt/M.) von Silke Berg empfohlen. Dieses Buch kann ebenso im Phil. I, Haus C, Bibliothek für Hermeneutik und Judaika, ausgeliehen werden.


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Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.1999:
Fotoausstellung zu Ghetto

umo. GIESSEN. Mehr als 100 000 Menschen starben zwischen 1939 und 1944 im Ghetto Lodz an Krankheiten und Hunger oder wurden in den Vernichtungslagern Chelmo und Auschwitz-Birkenau umgebracht. Relikte des Ghettos zeigt die Fotoausstellung „Spuren und Zeitzeugen“, die heute um 19 Uhr in der Bibliothek der Justus-Liebig-Universität eröffnet wird. Die Schau ist bis zum 4. Juni montags bis freitags von 8.30 bis 20 und samstags von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Aktuelles:
[03.09.2010] Bericht über Tagebücher von Friedrich Kellner im Gießener Anzeiger
[01.09.2010] Änderung der Telefonnummer von Sascha Feuchert
[31.07.2010] Gießener Anzeiger berichtet über Werkstattgespräch mit Steve Sem-Sandberg
[31.07.2010] Ausstellung zu Leben und Werk Hilda Stern Cohens ausleihbar
[31.07.2010] Mitglied werden im Förderverein
[10.04.2008] Aktuelle Besprechungen der Getto-Chronik