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Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Pressearchiv 2009


Dagens Nyheter, 10.01.2009: Chroniken über vorausgeahnte Todesfälle (übersetzt aus dem Schwedischen)

Gießener Anzeiger, 18.04.2009: Arbeitsstelle Holocaustliteratur gründet Förderverein

Gießener Anzeiger, 23.04.2009: "Befinden uns am Übergang von Zeitgeschichte zu Geschichte"

Gießener Anzeiger, 28.04.2009: "Beeindruckend, was hier geleistet wird"
Gießener Anzeiger, 30.05.2009: Ausgezeichnet: Sascha Feuchert nun Honorarprofessor

Gießener Anzeiger, 10.07.2009: Dr. Lucille Eichengreen liest an JLU aus ihrer Autobiographie "Von Asche zum Leben" - Besondere Beziehung zur Arbeitsstelle Holocaustliteratur

Zeit Online, 27.08.2009: Das Regime der Herrenmenschen

Gießener Anzeiger, 12.11.2009: Unterstützung kommt gerade recht

Gießener Anzeiger, 15.11.2009: Förderverein möchte Projekte der Arbeitsstelle Holocaustliteratur unterstützen


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Aus: Dagens Nyheter, 10.01.2009:

Chroniken über vorausgeahnte Todesfälle (Übersetzt aus dem Schwedischen)

Von Steve Sem-Sandberg

Unter der Nationalsozialisten sammelten Insassen in einigen polnischen Gettos Texte und Materialien für sich selbst und die Nachwelt. Umfassende Archive, in denen ein Chor aus Stimmen von Hunger, Leid und einem unbändigen Lebenswillen zeugt.

(....)
Das Getto in Lodz (oder Litzmannstadt wie die Nationalsozialisten die Stadt umgetauft hatten) war das größte in Polen nach dem im Warschau. Aber die Verhältnisse zwischen den beiden hätten nicht unterschiedlicher sein können. Im Warschauer Getto stritten Machtfraktionen unter nahezu Maffiaähnlichen Bedingungen gegeneinander. In Lodz herrschte nur ein Mann, Mordechai Chaim Rumkowski, von den Nazis zum Judenältesten ernannt und mit nahezu diktatorischen Privilegien ausgestattet. Rumkowski half den Nationalsozialisten ein Netzwerk von Industrien und Manufakturen aufzubauen, die fast alle Aufträge der deutschen Rüstungsindustrie
entgegennahmen. Sklavenarbeit wurde in Lodz zum Garant des Überlebens. Er ist auch der Autokrat, der in Lodz bestimmt, wie die Geschichte des Gettos erzählt werden soll. Rumkowski hatte schon zum Jahreswechsel 1940/41 eine Archivabteilung einrichten lassen und diese beauftragt verschiedene Begebenheiten im Getto zu dokumentieren. So beginnt die Chronik: als eine Art Bericht mit fortschreitenden Notizen zu Lebensmittellieferungen, Lebensmittelrationen,
Wetterberichten etc.
Aber als die Nationalsozialisten im Herbst 1941 beginnen die Juden aus den deutschsprachigen Teilen des Reiches nach Lodz zu deportieren, passierte etwas. Mit den Transporten aus Berlin, Prag und Wien kamen auch etablierte jüdische Autoren und Journalisten, von denen mehrere sich bald Arbeit in der Archivabteilung des Gettos besorgen konnten. Zwischen Fakten und den obligatorischen Wiedergaben von Rumkowskis Reden tauchen in der Chronik nun Reportagen von den Industrien des
Gettos auf, überraschend kritische Einblicke in die elendigen Wohnverhältnisse der Bevölkerung, aber auch satirische Kleinrubriken, Gerüchte. In den wiederkehrenden Rubriken "Man hört, man spricht", kann man in maskierter Form darüber lesen, wie unterschiedliche Gruppen in der so genannten Gettohierarchie um Macht und Einfluss
streiten.
Die Chronik aus Lodz ist ein klassisches Beispiel dafür, wie sich eine Form als Mittel zur Steuerung der Macht etabliert, aber unterminiert und übernommen wird von denen, die sie bedienen sollen. Das dieses geschieht, ist in erster Linie das Verdienst von zwei Journalisten - Oskar Singer und Oskar Rosenfeld. Singer kommt aus Prag, Rosenfeld aus Wien. Beide sind es gewohnt unter Zensur zu arbeiten. "Von dem Schicksal der Toten werden wir in der morgigen Ausgabe berichten", kann es z.B. an einer Stelle in der Chronik heißen. (Als ob es in Wirklichkeit Hunderte von andächtigen Lesern dieses Archivjournals gegeben hätte - und nicht bloß einen einzigen!)
Das Kniffe wie diese längst nicht nur rhetorisch waren, wird deutlich als die Gerüchte um die Vernichtungslager in Chelmno und Auschwitz sich ins Getto drängen. Jetzt ist es offenbar, dass es kein imaginärer Zeitungsleser ist, an den sie sich wenden, sondern eine ganz reale Nachwelt. "Für die erstaunten Leser der Nachwelt kann die Geschichte sich ein wenig kompliziert darstellen", vermerkt z.B. die Chronik
vom 2.7.1944 mit resignierter und bitterer Ironie als die Deportationen nach Auschwitz beginnen.

Die Autoren der Chronik lebten und wirkten in der ständigen Ungewissheit. Aber sie dachten im historischen Imperfekt. So wird das tägliche Dokumentieren von Mord und Übergriffen auch Teil einer mentalen Überlebensstrategie. In dem Moment, in dem man sich an jemanden wenden kann, und wenn es nur die entsetzte "Nachwelt" ist, kann man sich vorstellen, dass der Wahnsinn ein Ende haben wird.

Aufgrund des Umfangs der Chronik, 3000 dichtbeschriebene Seiten, war sie für eine größere Allgemeinheit bislang nur in einer gekürzten englischen Ausgabe verfügbar. Seit einem Jahr liegt jedoch der gesamten Text auf Deutsch in fünf Bändern mit einem weiteren Supplementband vor. "Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt" ist das Resultat einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Wissenschaftlern, die jeder auf seiner Seite versucht haben, eine Ordnung in die verschiedenen Textversionen zu bringen und in erklärenden Fußnoten versucht haben, alles über die internen Machtverhältnissen bis zu den sprachlichen Eigenarten herauszufinden.

Heraus kommt eine ganze Welt, natürlich in erster Linie geprägt von den nationalsozialistischen Schrecken mit Deportationen, Zwangsarbeit, Hunger und Leid, aber auch von einem unbändigem Lebenswillen. Wie einer der Mitredakteure, Jörg Riecke, schreibt, ist das wichtigste Anliegen der Dokumentation, die von den Autoren der Getto-Chronik betrieben wird, nicht Geschichte aufs Papier zu bringen sondern an Verstand und Vernunft festzuhalten in einer Zeit, in der die Wirklichkeit
auseinander zu brechen scheint. Wenn man Straßenbahntickets sammeln kann
und den nicht vorhandenen Kalorienbestand einer Abfallzuteilung auflisten kann, ist man trotz allem immer noch ein Mensch.


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Aus: Gießener Anzeiger, 18.04.2009:
Arbeitsstelle Holocaustliteratur gründet Förderverein

Langfristige Finanzierung von Projekten absichern - Auch inhaltliche Impulse erhofft - Kooperation mit Schulen

GIESSEN (hh). Für die Studierenden sind die Gespräche mit Überlebenden des Holocaust stets beeindruckende Erlebnisse. Aber auch für die Frauen und Männer, die vom Leben hinter Stacheldraht erzählen, den unerträglichen Hunger schildern und vom Sterben in den Konzentrationslagern berichten, sind die Kontakte mit den jungen Menschen von großer Bedeutung. Organisiert werden solche Begegnungen seit vielen Jahren von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität (JLU). Auch zu öffentlichen Autorenlesungen lädt die weltweit anerkannte Institution immer wieder ein oder veranstaltet Exkursionen mit Studierenden nach Auschwitz, Lodz oder Buchenwald. Hinzu kommen die bemerkenswerten wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Vor allem die sorgfältige Edition der Lodzer Getto-Chronik im Jahr 2007 fand bei nationalen und internationalen Wissenschaftlern ungeteilte Anerkennung. Um die vielschichtige Arbeit langfristig abzusichern, soll nun ein Förderverein gegründet werden. Davon erhofft sich Dr. Sascha Feuchert, der zusammen mit Prof. Erwin Leibfried die Arbeitsstelle Holocaustliteratur leitet, allerdings nicht nur eine kontinuierliche finanzielle Förderung, sondern vor allem auch inhaltliche Impulse.
Tatsache ist, dass die Überlebenden des Holocaust inzwischen sehr alt sind. "Wie gehen wir damit um, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt?", sagt Sascha Feuchert im Gespräch mit dem Anzeiger. Wie kann vor allem auch Schülern das Thema Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden dann vermittelt werden? "Das möchten wir besonders mit Lehrern diskutieren", betont der Literaturwissenschaftler. Deshalb hofft er, dass auch Pädagogen dem Förderverein, der sich am Dienstag, 21. April, um 19 Uhr im Justus in der Frankfurter Straße 7 zur konstitutierenden Sitzung trifft, beitreten werden. Dadurch sollen auch die Kontakte der Arbeitsstelle zu Schulen und Didaktikern intensiviert werden. Für verschiedene Projekte, die Weiterbeschäftigung von Hilfskräften oder auch die Einrichtung einer Volontärsstelle soll durch den Förderverein auch eine zusätzliche Finanzierung geschaffen werden. "Wir werden natürlich auch von der Universität unterstützt", betont Feuchert.
Doch angesichts der finanziellen Ausstattung der Hochschulen und den grundsätzlichen Rahmenbedingung ist diese Unterstützung begrenzt. "Die Basisausstattung der Arbeitsstelle läuft über das Institut für Germanistik und orientiert sich an der Ausstattung für Professuren." Intensiv wird die Arbeitsstelle seit vielen Jahren von der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich gefördert. Derzeit wird die Edition der Tagebücher des ehemaligen Laubacher Justizangestellten Friedrich Kellner finanziell unterstützt. Diese decken auf, was man als "Normalbürger" des "Dritten Reichs" von den verbrechen, aber auch der alltäglichen Ideologisierung wissen konnte. Wenn man denn wollte.
Bei dem Treffen am Dienstag soll der Förderverein gegründet und ein Vorstand gewählt werden. Da Verein und Arbeitsstelle personell getrennt sein sollen, hoffen Feuchert und die Mitarbeiter, dass sich neben Angehörigen der JLU auch Mitglieder aus anderen Bereichen und Institutionen in dem Förderverein zusammenfinden.

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Aus: Gießener Anzeiger, 23.04.2009
"Befinden uns am Übergang von Zeitgeschichte zu Geschichte"

Förderverein für Gießener Arbeitsstelle Holocaustliteratur gegründet - Bömelburg Vorsitzender

(fod). Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität (JLU) kann künftig auf die Unterstützung durch einen Förderverein vertrauen. Zu dessen konstituierender Sitzung in der Gaststätte "Justus im Hessischen Hof" in der Frankfurter Straße waren am Dienstagabend 19 Personen erschienen, die alle gleich auf Anhieb auch als Mitglieder gewonnen werden konnten und den ersten Vorstand wählten.
1998 eingerichtet hat sich die Arbeitsstelle die literaturwissenschaftliche und didaktische Untersuchung sowie Aufbereitung von Texten der Holocaustliteratur zur Aufgabe gemacht. Die Mitarbeiter, darunter Studierende und Doktoranden, möchten dazu beitragen, dass Literatur aus dieser Zeit in Wissenschaft und Öffentlichkeit diskutiert wird.
Dies führte bereits unter anderem zur Veröffentlichung der fünfbändigen Lodzer Gettochronik, in der persönliche Aufzeichnungen über das Leben und Sterben von mehr als 200 000 Juden, die im Getto zwischen 1940 und 1944 unter extremsten Bedingungen ums Überleben kämpften, nachzulesen sind. Ein weiteres Projekt ist das insgesamt zehn Bände umfassende Tagebuch des ehemaligen Laubacher Justizangestellten Friedrich Kellner, der seine von 1939 bis 1945 gemachten Eintragungen mit aufgeklebten Zeitungsausschnitten und Hintergrundinformationen ergänzte.
Um aber auch in Zukunft ihrer Aufgabe nachkommen zu können, benötigt die Arbeitsstelle eine breitere finanzielle Basis. Denn die jetzige finanzielle Ausstattung sei laut dem geschäftsführenden Leiter Dr. Sascha Feuchert "sehr bescheiden". Da inzwischen die Mittel zweier aus Gießen weggegangener Professoren fehlen, hat bislang die Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich, die auch an der Einrichtung der Arbeitsstelle beteiligt war, ausgeholfen. Doch möchten die vorwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter künftig nicht nur Ansprechpartner für Holocaust-Überlebende, andere Universitäten, Lehrer und Schulen sein, was, wie Feuchert berichtete, "viel Zeit in Anspruch nimmt". Es ist neben weiteren Publikationen auch geplant, Stellen für Praktika und Volontariate von jungen Forschern zu schaffen sowie ein Netzwerk mit Schulen einzurichten. Dem Förderverein wäre es möglich, für diese Projekte zum Beispiel Bußgeld-Mittel vom Amtsgericht einzuwerben oder anderweitig Spenden zu generieren.
Doch es gilt noch eine weitere Herausforderung zu bewältigen: "Wir befinden uns am Übergang von Zeitgeschichte zu Geschichte", verdeutlichte Sascha Feuchert. Jene Generation, die selbst den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt habe und uns davon berichten könne, sei bald nicht mehr da. Die Zeit dränge also, eine Lösung zu finden, wie dieser Übergang gestaltet werden kann.
Nachdem am Dienstag die vorgeschlagene Vereinssatzung mit dem Jahresmitgliedsbetrag von 30 Euro, ermäßigt 15 Euro, von allen Anwesenden einstimmig beschlossen worden war, wurde erstmals ein Vorstand bestimmt. Hier fiel die Wahl als Vorsitzenden auf Prof. Hans-Jürgen Bömelburg, Osteuropahistoriker an der JLU. Ihm zur Seite stehen die kommenden zwei Jahre die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Monika Graulich, Stadträtin in Gießen und Regionalvorsitzende des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie", sowie Astrid Knöß, Chefredakteurin des Gießener Anzeigers. Komplettiert wird der Vorstand von Schatzmeisterin Anna Kiniorska-Michel, Schriftführer Dr. Markus Roth und Beisitzerin Birgit Körner.
www.holocaustliteratur.de


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Aus: Gießener Anzeiger, 28.04.2009:
"Beeindruckend, was hier geleistet wird"

SPD-Delegation besucht Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Uni - "Große Wirkung"

GIESSEN (fod). Prominenten Besuch aus den Reihen der SPD erhielt gestern die Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität (JLU): Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der Landtagsfraktion, Gießens Oberbürgermeisterkandidatin Dietlind Grabe-Bolz und der Landtagsabgeordnete Gerhard Merz wollten sich persönlich über aktuelle Projekte der Arbeitsstelle informieren. Nach einer Führung durch die Räumlichkeiten durch den Leiter Dr. Sascha Feuchert und seine Mitarbeiterin Charlotte Kitzinger kam es zu einem längeren Gespräch, an dem auch JLU-Vizepräsident Prof. Joybrato Mukherjee, Fachbereichsdekanin Prof. Cora Dietl und Prof. Uwe Wirth, geschäftsführender Direktor des Instituts, teilnahmen.
"Es ist beeindruckend, was hier fachlich geleistet wird", äußerte sich Thorsten Schäfer-Gümbel gegenüber dem Anzeiger. Die Arbeitsstelle leiste einen sehr wichtigen Beitrag, "dass die unglaublichen Verbrechen des Holocaust auch für nachfolgende Generationen präsent bleiben", betonte er. Dietlind Grabe-Bolz attestierte dem Forschungsschwerpunkt, nicht nur in Hochschulkreisen, sondern auch nach außen zur Öffentlichkeit hin eine große Wirkung zu entfalten. Umso mehr zeigte sich Gerhard Merz - der wie Grabe-Bolz das Institut noch aus seiner Studienzeit kannte - davon beeindruckt, was die Arbeitsstelle "trotz nicht gerade üppiger finanzieller Mittel" zu leisten im Stande sei. Als Beispiele nannte er Publikationen wie die Gettochronik von Lodz und die Tagebücher von Friedrich Kellner. Er zeigte sich wie seine Parteikollegen stolz darüber, dass durch die hervorgegangenen Publikationen der Name Gießen auch nach außen getragen werde. Nicht minder stolz ist Vizepräsident Joybrato Mukherjee: "Für die Universität ist die Arbeitsstelle Holocaustliteratur von enormen Wert und wichtiger Bestandteil der kulturwissenschaftlichen Profilbildung." Schäfer-Gümbel sieht zudem eine wichtige Funktion der Einrichtung und ihrer "Aufklärungsarbeit" im Entgegenwirken zunehmender rechtsextremistischer Tendenzen. Und so sagte er wie seine beiden Kollegen Unterstützung bei zukünftigen Projekten zu, zumal "hier auf Landesseite noch erheblicher Nachholbedarf besteht". Dabei hatten sie schon einmal die Idee zu einer Ausstellung im Hessischen Landtag mitgebracht, für deren Realisierung sie sich einsetzen möchten.


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Aus: Gießener Anzeiger, 30.05.2009
Ausgezeichnet: Sascha Feuchert nun Honorarprofessor

(hh). Für den jungen Wissenschaftler ist es eine besondere Ehre. Schließlich ist die Auszeichnung ein deutlich sichtbares Zeichen der Wertschätzung. Denn Dr. Sascha Feuchert, geschäftsführender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität (JLU), ist zum Honorarprofessor der Eastern Michigan University (USA) ernannt worden. "Ich freue mich sehr über die Anerkennung und die zukünftigen Herausforderungen", sagt der Literaturwissenschaftler im Gespräch mit dem Anzeiger. Seit einigen Jahren schon gibt es eine enge Verbindung zwischen Sascha Feuchert und der Eastern Michigan University. Besonders auch in den Bereichen Gegenwartsliteratur und - natürlich - der Holocaustliteratur. Unter anderem hat Feuchert zusammen mit der Chefin der Deutschabteilung, Prof. Carla Damiano, die Kempowski-Gesellschaft gegründet. Der Gießener Wissenschaftler wird schon in Kürze an der amerikanischen Hochschule Seminare anbieten, einige davon mit Hilfe von Internet-Vorlesungen und Online-Kursen. "Meine Lehrverpflichtungen kann ich sowohl von hier aus ableisten als auch im Rahmen von Sommerkursen vor Ort", berichtet Feuchert.
Die Initiative zu der Verleihung des Titels Honorarprofessor ging vom Dekan des Colleges of Arts und Sciences der amerikanischen Hochschule aus. Geplant ist, die Zusammenarbeit in Zukunft noch zu intensivieren und auch einen Studenten-Austausch zwischen den beiden Universitäten ins Auge zu fassen.


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Aus: Gießener Anzeiger, 10.07.2009
Dr. Lucille Eichengreen liest an JLU aus ihrer Autobiographie "Von Asche zum Leben" - Besondere Beziehung zur Arbeitsstelle Holocaustliteratur

(jol). "Wenn ich einen Frachtzug sehe, sehe ich was gewesen war", sagt Lucille Eichengreen. Denn dann werden die schrecklichen Erinnerungen wieder sehr real. Es sind Erinnerungen an Leid, Hunger, Tod, Demütigungen und auch Hass, welche die 84-jährige Frau bis heute nicht vergessen kann und die sie in drei autobiographischen Büchern festgehalten hat. Lucille Eichengreen, die 1925 als Cecilie Landau in Hamburg geboren wurde, ist eine der wenigen Überlebenden des Holocaust. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht junge Menschen über die grausame Wahrheit der Judenvernichtung aufzuklären. Die Autorin reist sowohl in Amerika als auch in Deutschland zu Universitäten und Schulen, um von ihrem Überleben zu berichten. Dabei machte sie nun wieder an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität (JLU) Station. Für eine Lesung aus "Von Asche zum Leben". Zu der weltweit einzigartigen Institution hat die zierliche Frau ein ganz besonderes Verhältnis. Denn als Überlebende des Lodzer Gettos konnte sie wertvolle Hinweise zur Edition der Lodzer Getto Chronik beitragen und dafür war ihr im Mai 2007 die Ehrendoktorwürde der der Gießener Universität verliehen worden.
"Uns interessierte nichts mehr, wir hatten aufgehört, Menschen zu sein - selbst vor uns. Wir vegetierten nur noch; eingehüllt in den Geruch von Krankheit und Verwesung, den Klang von Verzweiflung und Tod", liest Dr. Lucille Eichengreen aus dem Kapitel "Befreiung". Und noch immer hat sie einen leichten norddeutschen Akzent. In dem Abschnitt berichtet sie über ihre Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen im Jahr 1945 durch die Briten. Lucille Eigengreen hat als einziges Mitglied ihrer Familie den Holocaust überlebt. Ihr Vater Benjamin (Benno) Landau wurde in Dachau ermordet. Ihre Mutter, Sala Landau, verhungerte im Getto Lodz. Die jüngere Schwester Karin wurde von dort mit einem Kindertransport nach Kulmhof (Chelmno) deportiert und ebenfalls ermordet. Nach fast drei Jahren im Getto kam die Autorin in einem "stickigen, ekelerregend riechenden" Viehwaggon nach Auschwitz, wo sie einer Einlieferungsprozedur unterzogen wurde, die ihr den letzten Rest Würde versagte. Sie empfand stetig wachsenden "Haß auf die Deutschen, die mich zu dieser schwitzenden, nackten Kreatur, ohne Haare, ohne Würde erniedrigt hatten. Für sie war ich kein menschliches Wesen mehr. Nur ein austauschbarer Jude", wie es in dem Buch heißt. Die junge Frau wird in der "Selektion" in Auschwitz für "arbeitstauglich" erklärt. Es folgen Zwangs- und Sklavenarbeiten im Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme und schließlich der Transport nach Bergen-Belsen.
"Mehr als 1000 Tote wurden im Lager gefunden, mehr als 10000 starben danach", fügt Lucille Eichengreen nahtlos an ihre Lesung an. Doch zumindest konnte sie ihren Befreiern 40 Namen von SS-Schergen nennen, die sofort verhaftet wurden. 1946 emigrierte sie dann über Paris nach New York, wo sie ihren späteren Mann Dan Eichengreen kennen lernte. Später lebte das Paar mit den beiden gemeinsamen Söhnen in Kalifornien. Erst knapp 50 Jahre später begann die zierliche Frau, angeregt durch ein kleines "Erbe", ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Es waren kleine Notizzettel einer befreundeten Schriftstellerin, über Lucille Eichengreen selbst, die sie nach dem Tod der Freundin fand und die sie zum Schreiben bewegten. Sie weiß nicht, ob sie ohne diese Zettel die Worte jemals zu Papier gebracht hätte, gesteht sie im anschließenden Gespräch mit den Studenten. Das Schreiben habe ihr "weder gut getan, noch hat es mir geschadet."


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Aus: Gießener Anzeiger, 12.11.2009
Unterstützung kommt gerade recht

Spenden für Elisabeth-Selbert-Verein und Förderverein Arbeitsstelle Holocaustliteratur

(fod). Für Gaby Rehnelt stand schon von vorneherein fest: Zu ihrem 70. Geburtstag wollte sie keine Geschenke haben. Stattdessen bat sie ihre Gäste um Spenden für den Elisabeth-Selbert-Verein, den Träger des Frauenkulturzentrums, sowie den Förderverein der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, die am Institut für Germanistik der Universität angesiedelt ist. Denn bei beiden ist sie Mitglied, beim Elisabeth-Selbert-Verein sogar im Vorstand. Der Aufruf zeigte Erfolg: Insgesamt 2000 Euro sind zusammengekommen. Gestern überreichte Gaby Rehnelt im Frauenkulturzentrum in der Steinstraße jeweils einen Scheck über 1000 Euro. Vom Elisabeth-Selbert-Verein nahm dessen Vorsitzende Karola Drews im Beisein von Stellvertreterin Charlotte Beck, Kassenwartin Inge Bietz und Vorstandsmitglied Heide Blum den Scheck entgegen. Beim Förderverein der Arbeitsstelle Holocaustliteratur taten dies Vorsitzender Prof. Hans-Jürgen Bömelburg und Vorstandsmitglied Dr. Markus Roth; ebenfalls anwesend war der Leiter der Arbeitsstelle, Dr. Sascha Feuchert. Für die Begünstigten kommt der Geldsegen zum richtigen Zeitpunkt. So plant das Frauenkulturzentrum Anfang Dezember seinen Umzug ins neue Domizil Ecke Walltorstraße/Wetzsteinstraße und möchte mit dem Geld sein Programmangebot und laufende Kosten finanzieren. Der Förderverein wird das Geld zur Finanzierung studentischer Hilfskräfte für Projekte der Arbeitsstelle Holocaustliteratur zur Verfügung stellen. Nachdem deren Mitarbeiter bereits die vollständige Edition der Lodzer Getto-Chronik veröffentlicht haben, arbeitet man derzeit an einer Publikation der zehn Bände umfassenden Tagebücher des ehemaligen Laubacher Justizangestellten Friedrich Kellner, der im Verborgenen viele Informationen aus der Zeit des Dritten Reichs zusammengetragen hatte.


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Aus: Gießener Anzeiger, 15.11.2009
Förderverein möchte Projekte der Arbeitsstelle Holocaustliteratur unterstützen

(fod). Den sicheren Tod vor Augen, gelang es einigen wenigen der Millionen vom nationalsozialistischen Regime in Konzentrationslagern und Gettos ermordeten Juden, ihre schrecklichen Erlebnisse niederzuschreiben. Diese wie auch Berichte Überlebender des Holocausts aufzubereiten und für die Nachwelt zu erhalten, hat sich die Gießener Arbeitsstelle Holocaustliteratur zum Ziel gesetzt, die am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität (JLU) untergebracht ist. Da eine solch aufwändige Arbeit finanzieller Mittel bedarf, hat sich in diesem Frühjahr ein Förderverein gegründet, der die 1998 eingerichtete Arbeitsstelle unterstützen möchte.
Seit der Gründungsversammlung im April kann der Verein heute bereits die stattliche Mitgliederzahl von 40 Personen vorweisen, berichtet der Vorsitzende Prof. Hans-Jürgen Bömelburg im Gespräch mit dem Anzeiger. Darunter befänden sich Hochschullehrer wie auch Studierende, Bürger aus Gießen und von auswärts. Ihnen allen ist es ein wichtiges Anliegen, dass Texte der Holocaustliteratur in der Wissenschaft, aber insbesondere in der Öffentlichkeit diskutiert werden. "Dazu ist eine Menge Vorarbeit notwendig", weiß Bömelburg, der Professor für Ostmitteleuropäische Geschichte am Historischen Institut der JLU ist und selbst schon einige Projekte mit der Arbeitsstelle durchgeführt hat. So müssen zum Beispiel alle Texte per Hand in den Computer eingetippt und danach Seite für Seite auf Richtigkeit überprüft und die Existenz von darin vorkommenden Menschen nachgewiesen werden.
Doch Geld ist genau das, was fehlt, seit 2007 Prof. Erwin Leibfried, auf dessen Initiative hin 1998 gemeinsam mit seinem Nachfolger Dr. Sascha Feuchert mit Hilfe der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich die Stelle gegründet wurde, in den Ruhestand gegangen ist. Ein großer Teil der Mittel für seine Professorenstelle waren nämlich in die Forschung geflossen. Daraus hervorgegangen war als bisher bedeutendste Publikation die Lodzer Getto-Chronik, in deren vierbändiger, in Deutschland und Polen erschienener Edition Leben und Sterben von mehr als 200 000 Juden, die im Getto zwischen 1940 und 1944 unter extremsten Bedingungen ums Überleben kämpften, festgehalten ist. Als weitere große Veröffentlichung soll laut Bömelburg im Laufe des nächsten Jahres das insgesamt zehn Bände umfassende Tagebuch des ehemaligen Laubacher Justizangestellten Friedrich Kellner herausgebracht werden, der über Jahre hinweg im Verborgenen Informationen über die Nationalsozialisten und deren Machenschaften in Form von Zeitungsauschnitten und anderen Materialien zusammengetragen und mit Kommentaren versehen hatte. Dadurch ergibt sich ein detailliertes Bild von dem, was man als "Normalbürger" des Dritten Reichs von den Verbrechen, aber auch der alltäglichen Ideologisierung wissen konnte - wenn man es denn wollte.

Ehrenamtliche Basis

Mit Hilfe des gemeinnützigen Fördervereins erhofft man sich zusätzliche Finanzmittel von Stiftungen oder Privatpersonen einwerben zu können. Damit sollen sowohl studentische Hilfskräfte - zurzeit läuft hier vieles auf ehrenamtlicher Basis -, die Lehrerweiterbildung zum Thema Holocaust ausgeweitet als auch die wissenschaftliche Auswertung immer wieder neu hereinkommender Originaltexte finanziert werden. "Die Gelder sollen ausschließlich für konkrete Projekte eingesetzt werden", betont Hans-Jürgen Bömelburg. Wie zum Beispiel die geplante Erstellung einer Getto-Enzyklopädie, in der all das zusammengefasst wird, was durch Dokumente wie etwa Karteikarten der NS-Verwaltung überliefert ist. "Hierzu wird es eine Kooperation mit dem Jüdisch Historischen Institut in Warschau geben", ergänzt der Vorsitzende.
Erstmals der Öffentlichkeit wird sich der Verein nun mit der Vorführung des Films "Shoah" von Claude Lanzmann präsentieren. Die Dokumentation aus dem Jahr 1985, in der die Massenvernichtung der europäischen Juden geschildert wird und neben Überlebenden von Konzentrationslagern auch Täter zu Wort kommen, wird in vier Teilen vom 19. November an jeweils donnerstags im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34) gezeigt.
Wer an der Mitarbeit im Förderverein interessiert ist, kann die Mitgliedschaft per E-Mail bei Anna Kiniorska-Michel (anna.kiniorska@germanistik.uni-giessen.de) oder Prof. Hans-Jürgen Bömelburg (hans-juergen.boemelburg@geschichte.uni-giessen.de, Tel: 0641-99-28020) beantragen. Die Satzung des Vereins findet sich auf der Homepage der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (www.holocaustliteratur.de). Der Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 30 Euro, ermäßigt für Studierende und Schüler 15 Euro. Genauso kann sich dort auch melden, wer dem Förderverein eine Spende zukommen lassen möchte.
www.holocaustliteratur.de



Aktuelles:
[03.09.2010] Bericht über Tagebücher von Friedrich Kellner im Gießener Anzeiger
[01.09.2010] Änderung der Telefonnummer von Sascha Feuchert
[31.07.2010] Gießener Anzeiger berichtet über Werkstattgespräch mit Steve Sem-Sandberg
[31.07.2010] Ausstellung zu Leben und Werk Hilda Stern Cohens ausleihbar
[31.07.2010] Mitglied werden im Förderverein
[10.04.2008] Aktuelle Besprechungen der Getto-Chronik