am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

′Was hat Buchenwald mit mir zu tun?′ - Bericht zur Studienfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald vom 12. bis 16. September 2016

26.09.2016

Von Jeanne Flaum

14 Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren hatten die Möglichkeit, an der diesjährigen Fahrt des Jugendbildungswerks Gießen in Kooperation mit der Theo-Koch Schule in Grünberg und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur in die Gedenkstätte Buchenwald teilzunehmen. Durch Führungen über das ehemalige Lagergelände, durch die neue Dauerausstellung sowie auch durch die Kunstausstellung konnten die Jugendlichen ihre Kenntnisse über das ehemalige Konzentrationslager erweitern. Besonders beeindruckend waren für die Schüler die Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten. Über die konkrete Beschäftigung und Bearbeitung einzelner Gegenstände und die Verknüpfung mit Biographien und Orten zu diesen, wurden Brücken in die Vergangenheit gebaut und sehr eindrückliche Zugänge zum Überlebenskampf im Konzentrationslager ermöglicht. 

Insbesondere an den beiden letzten Tagen hatten die Jugendlichen zudem Gelegenheit, sich individuell mit dem Ort auseinanderzusetzen und frei auf dem Gelände zu bewegen. Mit dem Ziel, nach der Rückkehr zu Hause einen Projektabend zu gestalten, beschäftigte sich jeder Teilnehmer mit einem speziellen Thema oder Ort seiner Wahl. Hierzu gehörten etwa der Steinbruch, die SS-Führersiedlung, das Kleine Lager, der ehemalige Bahnhof sowie das Krematorium, die als zentrale Orte wahrgenommen wurden. In einem Nachbereitungstreffen werden sich die Schüler auf den Projektabend vorbereiten, an dem sie die Möglichkeit haben, in kreativer Weise ihre Erfahrungen auch den Familien und Freunden vorzustellen.

Unter der Fragestellung "Was hat Buchenwald mit mir zu tun" wurde abschließend eine Brücke zur Gegenwart geschlagen. In einer Plenumsrunde am letzten Abend wurde diskutiert, wo sich auch heutzutage Verfolgung und Rassismus bemerkbar machen und warum es so wichtig ist, sich auch 70 Jahre nach dem Ende des 'Dritten Reichs' noch mit dem Thema des Nationalsozialismus zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang diskutierten die Jugendlichen die aktuelle politische Lage in Deutschland und auch die Frage, inwiefern so etwas wie der Holocaust und die Konzentrationslager auch heute noch möglich seien. "Wichtig ist es, nicht wegzuschauen, sondern Stellung zu beziehen", fasste ein Schüler die Diskussion zusammen. Ausgehend vom Zitat „Der Genozid beginnt da, wo man anfängt, Menschen zu klassifizieren“ überlegten die Jugendlichen zudem, wo auch sie in ihrem Alltag Menschen "in Schubladen stecken". Mit dem Fazit, dass es sehr wichtig sei, "aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen", endete die Fahrt am Freitagvormittag.

 


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